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 Betreff des Beitrags: Trainerausbildung für Jugger
BeitragVerfasst: Mo 6. Feb 2017, 13:05 
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Grüße.

Trainerausbildungen für Juggertrainer gibt es (noch) nicht.
Aber es gibt eine ganze Menge anderer Trainerausbildungen, welche für einen Juggertrainer durchaus wertvoll und nützlich sein könnten,
zum Beispiel Athletiktrainer (war bisher eine meiner Überlegungen).

Nun will ich eure Meinungen & Erfahrungen.

Kennt ihr Ausbildungen anderer Sportdisziplinen, die für Jugger vorteilhaft sind?
Hat hier gar jemand eine Trainerausbildung abgeschlossen und kann seine Erfahrung damit bezüglich Trainings von Juggerspielern teilen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Trainerausbildung für Jugger
BeitragVerfasst: Mo 6. Feb 2017, 13:24 
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Hi,

ich bin Kampfkunsttrainer und auch wenn Schwertkampf und Co. nur eingeschränkt übertragbar sind, so sind doch einige Dinge (Aufwärmübungen, Übersichtsübungen aus dem Freikampf mit mehreren Personen, Atemübungen, um bei Duellen nicht außer Atem zu kommen, Verletzungsprävention in Duellen und Läuferkampf, etc.) doch stark von Vorteil.

Wenig hilfreich ist die Ausbildung jedoch im Bereich Taktik (mit Ausnahme des Läufers), da man kaum im Team agiert.
Zudem sind die notwendigen Regeln von Jugger oftmals ein Hindernis beim Übertragen von Kampfkunst auf Jugger.

Ich vermute, Trainer aus dem Bereich Rugby oder Football dürften grade im Bereich Taktik über einige interessante Kenntnisse verfügen.

Viele Grüße,
René

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 Betreff des Beitrags: Re: Trainerausbildung für Jugger
BeitragVerfasst: Mo 6. Feb 2017, 15:35 
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Ich habe bisher mit Übungsleitermaterial aus Turnen und Leichtathletik gearbeitet und mich viel mit Sportstudenten zum Thema Jugger auseinandergesetzt. Was es bei uns an Trainerausbildungen (Bsp: C-Trainer, Breitensport, Sportbund Hessen) gibt ist meiner Meinung nach den Aufwand nur wert, wenn man die Lizenz für einen Verein o.ä. benötigt, da sich die athlethischen Grundlagen recht einfach im Selbststudium erarbeiten lassen.

Problematisch an Ausbildungen aus Handball und Rugby ist, dass die Tatktik dieser Sportarten nicht wirklich Jugger gleicht und dass man für eine Trainerlizenz ersteinmal den gesamten Sportablauf inc. Regelkanon lernen müsste. Definiv interessant wäre jedoch wie vorhandene Tatkik in diesen Sportarten gelehrt wird.

René hat bereits gut zusammengefasst, wie es mit Trainern aus Material Arts aussieht. In anderen Kampfkunst-Transfer Threads kommen die Spieler zu ähnlichen Ergebnissen.

Um konstruktiv mit diesem Thema umgehen zu können, würde ich gerne einmal das "Trainer Problem" skizzieren, so wie ich es aus Forumsdiskussionen und eigenen Erfahrungen sehe.

Bisherige Erkenntnisse (lose Zusammengefasst)
- Sportliche Grundlagen aus Leichtathletik oder Breitensport sind für jegliche Bewegung / Verletzungsminimierung relevant. Die Belastungspunkte bei Jugger allerdings an anderen Stellen als bei Athlethen, daher muss an dem Material "Juggerspezifisch" etwas nachgearbeitet werden.
-- Bsp: Kurze Distanzen auf dem 40 Meter-Feld. Auf 20 Meter bis zur Linie ist Sprinttechnik kaum effektiv, da abgebremst werden muss, bevor die Maximalgeschwindikeit wiklich erreicht und gehalten werden kann.

-Grundlagen aus Material Arts: Wirklich relevant! Beinarbeit und Grundhaltung sind absolut Key in jeder Kampftechnik und auch in Jugger. Manöverarbeit ist aber meist nicht übertragbar, da Jugger auf Berührung und Linienkämpfe ausgelegt sind. Das Spiel geht außerdem weiter, auch wenn ein Spieler getroffen wurde etc...
-- Bsp: Der Fechter kann sein Manöverset nicht direkt übertragen, da er nicht auf gerader Linie Kämpft, sein Gegner meist eine andere Fechtwaffe trägt als er selbst und er idealerweise einen Schild mitgebracht hat.

- Grundlagen aus Handball/Rugby:
Mannschaftskoordination, Laufstärke und Linienbewusstsein sind hier gut Ausgebildet. Spieler aus Handball und Football schlagen sich jedoch nicht ab. Viele Trainingselemente sind Erfahrungsgemäß gut im Jugger zu gebrauchen, die Taktik lässt sich aber höchstens im "Meta" übertragen.

Auch wenn man sich aus anderen Sportarten "herauspickt" was ein Jugger-Spieler gut brauchen kann, bleibt ein recht großes Vakuum übrig.
- Wie sieht Manöverarbeit der einzelnen Pompfen gegeneinander denn genau aus?
- Was sind effiziente Methoden/Kleintaktiken die Mechaniken des Sportes zu beherrschen?
- Wie sehen Strategie und Taktik denn "formalisiert" bei Jugger aus.
- Wie bringe ich anderen Spielern diese Erkenntisse bei? (Methodik)

Da man in Trainerausbildungen nur einer Fremdsportart, abgesehen von den generellen motorischen Grundlagen und etwas Didaktik, weniger als 1/3 Jugger-relevante Inhalte erfährt lohnt es sich in meinen Augen nicht den Aufwand und das Geld zu investiere, außer man benötigt eine Lizenz für einen Verein o.ä.. Die Arbeitszeit und das Geld wäre im Vorantreiben einer Jugger-Trainerausbildung wesentlich besser aufgehoben. Das bringt mich zum nächsten Problem:

Jugger-Trainerausbildung
Gibt es nicht. Brauchen wir aber.

Einmal abgesehen von dem Fakt, dass ich nicht genau weiss, wie man solch eine Trainerausbildung akkreditieren lassen kann (Ich nehme an jemand benötigt Lizenzen und eine Verbandsmitgliedschaft und, und und...) brauchen wir ersteinmal eine. Wenn man sich umhört ist schon recht viel Wissen zu Jugger-Training (und allgemeinem Training) in den erfahrenen Teams vorhanden, aber auch dort ist es meist an einer wenigen Personen verteilt. Grundlagentaktiken werden von Mund zu Mund weitergegeben und sind somit neuen Teams oft verwehrt. Gut ausgeklügelten Taktiken werden meist von ihren Teams gehütet und nur unter der Hand weitergegeben, da sie ein gewisses Team-Erfolgsgeheimnis darstellen. Zusätzlich gibt es einige verbreitete Jugger-Trainingseinheiten der ersten Stunde, die wenig oder sogar kontraproduktiv sind. (Wenn ich möchte dass meine Spieler viel rumstehen, lernen sich möglichst langsam zu bewegen und nach jedem Treffer zu quatschen, lass ich sie Zombie spielen. Das hilft nur Spielern, welche engagiert und selbständig ihre Technik weiterentwickeln und das geht in anderen Übungen besser.)

Ich versuche gerade zusammen mit anderen Jugger-Trainern (weiss nicht ob die jetzt genannt werden möchten) ein Grundlagendokument zu erstellen. Dies soll sportliche Grundlagen, Good-Practise Übungskatalog und Trainingseinheiten-Design im Jugger umfassen. Das Problem ist: Erfahrene Jugger-Trainer sind diejenigen Leute, die eh schon ihre Freizeit für Turnierorganisation, Vereinsarbeit oder Öffentlichkeitsarbeit investieren. Weiterhin sitzen diese im Ligagremium oder bei den Regelhütern ;) und geben vor allem ehrenamtlich Training. Da ein Dokument dieses Umfangs und benötigter Qualität eine Menge an Autoren-Arbeit, Recherche, Kommunikation und Praxis-Tests bedeutet, geht es (wie mit allem ehrenamtlich erstellt aber quasi-offiziellen Jugger-Dokumenten) entsprechend schleppend voran.

In my Humble Opinion:
Bevor die Mühe und das Geld mehrerer Mannschaften für weniger effektive Trainerausbildungen ausgegeben werden, fände ich es schöner, wenn diese Ressourcen dazu verwendet werden eine Jugger-Trainerausbildung voranzutreiben. Das wäre doch zusammen mit einer Schiedsrichter-Ausbildung ein schöner Aufrag für einen Verband. Wenn diejenigen, die eh schon einen Großteil ihrer Freizeit für die Entwicklung des Jugger-Sportes raushauen eine kleine Aufwandsentschädigung dafür bekommen, geht das vielleicht auch alles etwas zügiger voran.

Cheers,

Felix

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JAGS


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 Betreff des Beitrags: Re: Trainerausbildung für Jugger
BeitragVerfasst: Fr 3. Mär 2017, 00:55 
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Ergänzung zum Thema:

Aus dem Bereich Kampfkunst/-sport ist Fallschule ein durchaus nicht zu unterschätzender Aspekt!

Ich habe heute Abend mit einigen Juggernauts auf einem Tartanplatz (dieses rote Zeug das man auch von den Laufbahnen auf Sportplätzen kennt) trainiert. Feuchtigkeitsbedingt war dieser recht glatt, sodass es im Laufe des Trainings zu einigen Stürzen kam.

Auch für Läufer halte ich eine gute Falllschule für unerlässlich.

Zum Thema Akkreditierung der Trainerausbildung:
Einer meiner Kampfkunsttrainer hat vor einiger Zeit den Fachverband für Aikido in Bayern (FAB) mitgegründet und war auch meines Wissens nach bei der Gründung des Deutschen Aikido Bundes, welche die Aikido-Trainer-Lizenzen vergeben, dabei.

Sollte da Interesse bestehen, würde ich mich mal mit ihm ausführlicher über das Thema unterhalten, was es da für Hürden, Anforderungen und ähnliches gibt.

Laut meinem aktuellen Kenntnisstand verhält es sich jedoch wie folgt:

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) legt zusammen mit den Landessportbünden die Qualitätskriterien für die Trainerausbildungen fest (Rahmenrichtlinien)

Die Landessportbünde bieten wiederrum hauptsächlich nur Lizenzen für den Breitensport (sportartübergreifende Ausbildungen) an.

Um nun eine eigene Trainer-Lizenz für Jugger anzubieten (eine andere zufriedenstellende Lösung scheint es derzeit ja nicht zu geben) müssten die Jugger vom DOSB zunächst als Sport anerkannt werden, Mitglied werden und dann eine Ausbildungsordnung erstellen, die den Rahmenrichtlinien entspricht.

Diese prüft der DOSB dann, und wenn das ganze dann den Voraussetzungen, Grundsätzen und Richtlinien des DOSB entspricht, erteilt uns der DOSB die Erlaubnis, Trainer-Lizenzen zu vergeben.

(Ohne Gewährleistung auf vollständige Richtigkeit - wie gesagt, würde mich bei Interesse mit Leuten zusammensetzen, die davon mehr verstehen)

Meiner Meinung nach wird da auf Dauer kein Weg dran vorbeiführen, es ist ein langer Weg, mit den richtigen Leuten aber durchaus machbar.

Was den Rest betrifft muss ich Gnom vollkommen zustimmen.

Viele Grüße
René

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