Wahl eines Regelhüters 2020

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J.L.M.
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Wahl eines Regelhüters 2020

Beitrag von J.L.M. » Mi 12. Dez 2018, 22:03

Liebe Community,

seit nunmehr fast sechs Jahren habe ich im Bereich Regeln für und mit euch gemeinsam gearbeitet. Nun ist es an der Zeit, den Staffelstab an die nächste Generation weiterzugeben. Ich möchte zur Regelwahl 2020 zurücktreten, sodass Januar 2020 eine Wahl eines Regelhüters stattfinden wird. Diese Entscheidung fällt mir nach wie vor sehr schwer, aber es gibt einige (auch schöne) Gründe dafür, die ich mit euch teilen will.

Der wohl mit Abstand schönste und auch wichtigste Grund ist der, dass Bruno und ich Nachwuchs erwarten. Bereits jetzt fällt es mir im Zuge meiner Schwangerschaft schwer, neben all den Übelkeiten, Arztterminen, Studienproblemen und meinem Job auch noch Zeit für die angenehme aber auch zeitraubende Arbeit des Regelhütens zu finden. Ich merke selbst, dass die Qualität und die Menge meiner Arbeit sowie die Intensität, mit der ich mich damit beschäftigen kann, schon jetzt stark nachgelassen hat. Der Geburtstermin ist im Mai, und ich kann mir nicht vorstellen, wie ich mit einem kleinen Kind, das gerade mal ein halbes Jahr alt ist, diesen Workload guten Gewissens stemmen kann.
Auch ein wichtiger Grund ist, dass das echte Leben langsam Tribut fordert. Ein Examen möchte endlich gemacht werden, eine Promotion möchte angegangen werden - und zwar nicht nur auf dem Papier - und da gibt es auch noch das Lehramtsreferendariat, das ich jahrelang vor mich hergeschoben habe. All diesen Sachen muss ich langsam aber sicher eine höhere Priorität einräumen als dem Jugger-Regelwerk und die einzige Chance sehe ich für mich darin, die Regelhüterei abzugeben.
Zu alledem habe ich es seit meiner Verletzung im Juni 2017 nicht geschafft, wieder ins aktive Juggerleben zurückzufinden. Ich merke, dass ich langsam den Anschluss an die lebende Spielpraxis verliere und mein Einschätzungsvermögen, was gerade gespielt wird, was gerade common sense ist oder wo die wichtigen Probleme liegen, hat stark darunter gelitten. Es war fürs Regelhüten nie wichtig, besonders gut in diesem Sport zu sein, aber es war doch wichtig, auf Turnieren zu sein und die Veränderungen in der gelebten Spielpraxis am eigenen Leib zu erfahren.
Zuletzt gibt es da noch einen Grund, der vielleicht etwas lahm erscheint, mir persönlich aber wichtig ist: Ich bin jetzt bald dreißig Jahre alt und ich möchte noch andere Hobbys außer Jugger pflegen. Ich möchte ein Instrument erlernen oder einen Nähkurs besuchen, und ich möchte das auch in den Monaten Oktober bis Februar tun können, ohne in Konflikt mit Regelhüter-Sitzungen zu geraten. Da Jugger für mich persönlich keinen so hohen Stellenwert hat, wie noch vor anderthalb Jahren, hat auch meine Opferbereitschaft, was meine Freizeit anbelangt, stark nachgelassen.

Da ich viel Herzblut und Lebenszeit in unser Regelwerk gesteckt habe, keine Stunde bereue, die ich über diesem Text gebrütet habe, stolz darauf bin, was wir geschaffen und geschafft haben, und mit Freude sehe, dass sich unser Regelwerk so großer und auch internationaler Beliebtheit erfreut, kann und werde ich meinen Platz nicht von Jetzt auf Gleich räumen.
An der Einarbeitung von Gnom haben wir damals gemerkt, dass es doch viele interne Gewohnheiten gibt, die jemand Neues erst kennenlernen muss. Das ganze Know-How zum Regeltexte analysieren und verfassen habe ich mir unmerklich über die Jahre angearbeitet und das will vermittelt werden, wenn wir beim Regelwerk nicht Einbußen in der Qualität erleben wollen.
Deshalb werde ich gerne an dem Dokument über unsere Arbeitsweisen weiter mitwirken, an einem Workshop als Leiterin teilnehmen (sofern er vor April stattfindet) und meiner/m Nachfolger_in bestmöglich bei der Einarbeitung helfen. Gerne werde ich auch in den kommenden Saisons für Fragen zur Verfügung stehen oder mal den ein oder anderen Regeländerungsvorschlag mitgestalten.

Ich möchte euch alle deshalb dazu aufrufen, euch jetzt schon Gedanken zu machen, ob ihr euch vorstellen könntet, meine Arbeit zu übernehmen. Da unser Kind im Mai zur Welt kommen wird, werde ich bereits kommenden Herbst und Winter weniger Zeit für die Arbeit als Regelhüterin finden und es wäre eine ideale Übergangs- und Einarbeitungszeit für euch. Aaron und Gnom sind aufgeschlossen dazu, verschiedene Gäste zu den Sitzungen willkommen zu heißen und euch mit der Arbeit vertraut zu machen, bevor ihr euch 2020 zur Wahl stellen werdet.

Was für Qualitäten braucht ihr als Regelhüter_in?
- Ihr solltet aktive Jugger_in sein. Ihr solltet mehrere Turniere im Jahr besuchen und diese sollten in mehr als einer Region liegen bzw. die teilnehmenden Mannschaften sollten möglichst durchmischt sein, sodass ihr euch ein Bild von der Spielpraxis machen könnt.
- Ihr solltet aufgeschlossen sein für andere Meinungen zum Jugger bzw. zu Regeln. Nicht jeder Änderungsvorschlag wird euch persönlich gefallen, aber ihr müsst ihn mit derselben Professionalität zur Abstimmung führen wie Vorschläge, die ihr mögt.
- Ihr solltet teamfähig und kritikfähig sein. Die Regelhüter treffen Entscheidungen im Konsens und das heißt oft auch, dass eigene Vorschläge nicht zur Abstimmung kommen, man nicht so schnell etwas verändern kann, wie man gerne möchte, und dass man es aushalten muss, dass die anderen einen gerade mühsam erstellten Textvorschlag auseinandernehmen, um ihn zu verbessern.
- Ihr solltet mit dem Arbeiten an Texten vertraut sein. Damit meine ich nicht unbedingt, dass ihr mit Textverarbeitungsprogrammen gut umgehen können solltet, sondern dass ihr ein Händchen für die zugrundeliegende Logik eines Textes haben solltet, ein Auge dafür, wie sich der Text aufbaut, was erwähnt werden muss, was definiert werden muss, was verständlich ist, und was auch in den Augen anderer Menschen das ausdrückt, was ihr sagen möchtet.
- Ihr solltet zu guter Letzt eine bisschen Spaß an Detailfisselei haben. Viel Arbeit der Regelhüter besteht darin, eine halbe Stunde lang über einen Halbsatz zu diskutieren, verschiedene Varianten dieses Satzes aufzuschreiben und sich dann doch dafür zu entscheiden, den Satz ganz zu streichen und durch etwas anderes zu ersetzen. Das muss man aushalten können und am besten geht es, wenn man Spaß daran hat.
- Ihr solltet ein bisschen Zeit mitbringen. Zwischen Oktober und Februar treffen sich die Regelhüter einmal die Woche für mindestens eine, eher zwei Stunden. Gerade gegen Ende der Wahlsaison werden daraus gut und gerne fünf oder sechs Stunden die Woche. Durch geänderte Rahmenbedingungen könnte man den Workload natürlich besser verteilen, aber trotz mehrerer Anläufe ist es bisher nicht dazu gekommen.

Ich bin wirklich traurig, dass ich diese schöne, angenehme und zufriedenstellende Arbeit bald nicht mehr machen kann. Aaron und Gnom sind ganz wundervolle Kollegen und Diskussionspartner, mit denen es in den letzten Jahren wirklich Spaß gemacht hat. In unserer gemeinsamen Arbeit habe ich viel gelernt, was ich hoffentlich in kommende Projekte mitnehmen kann. Ich werde mit dem Gefühl gehen, etwas Gutes und Wichtiges für unseren Sport getan zu haben, und ich danke euch allen für euer Vertrauen, dass ihr all die Jahre in mich hattet.
Eure Johanna von den Zonenkindern (J.L.M.)
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Re: Wahl eines Regelhüters 2020

Beitrag von Gnom » Do 13. Dez 2018, 00:01

Liebe "J.L.M",

Ich möchte an dieser Stelle offiziell meinen imaginären Hut vor dir ziehen und kann nicht anders, als mich zu einer kurzen Laudatio hinreißen zu lassen. Dass du trotz deiner spielerischer Inaktivität so viel Zeit und Arbeit in die Jugger Community gesteckt hast gehört deutlichst gewürdigt!

Sei es Regelwerk, Schiedsrichterleitfaden, Pompfencheckmaterial, Turnierorganisation oder Ligagremium, du bist (noch) überall engagiert. Stetig und seit Jahren führst du, ohne es je an Respekt vor anderen Meinungen oder Personen mangeln zu lassen, Verbesserungen und Neuschöpfungen in den Juggersport ein. Deine detailliert gestalteten Textwerke und Mitgestaltungen an den selben, tragen ihren nicht gerade geringen Teil zur hohen Qualität des Regelwerkes und seiner Begleiterscheinungen bei.
:schreiber:
An deren Selbstverständlichkeit haben wir uns natürlich und unverschämterweise schon längst gewöhnt.

Dass du uns noch ein Jahr erhalten bleibst freut mich sehr! Es zeigt auch wie ernst es dir damit ist die Weitergabe deines erarbeiteten Wissens zu ermöglichen. Ich denke es ist vielen nicht klar, wie viel Arbeit hinter den Kulissen von dir geleistet wurde. Ich jedoch freue mich über das Gefühl, meine beschiedenen Deutschnoten hätten sich durch die gemeinsamste Arbeit an Text, Ausdruck und Struktur etwas verbessert. Schriftlicher Ausdruck färbt scheinbar doch ab.

Ein sturer Dickkopf dankt für das gemeinsame Wirken.

- fEilx ;)

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Re: Wahl eines Regelhüters 2020

Beitrag von JÄNS » Do 13. Dez 2018, 03:14

Liebe Johanna,
auch von mir, als wohl eher anstrengedes Element in diesem Forum, vielen vielen Dank für deine Geduld und immense Arbeit für und an dem Regelwerk und damit für den Sport. Wie Gnom schon erwähnte können wahrscheinlich die wenigsten von uns sich eine Vorstellung machen wie viel Zeit du da reingesteckt hast.
"Ich aber sage euch Stäbe soll man werfen dürfen, denn wahrlich Qtipps sind gefährlicher" (R)ich(ard)

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Re: Wahl eines Regelhüters 2020

Beitrag von Token » Do 11. Jul 2019, 12:27

Ich kann auch nur mit Respekt sagen wie vier Zeit und Herzblut von dir in's Jugger gesteckt wurde.

Ich möchte mich hier mit auf die Stelle des Regelhüters bewerben. Mein Kind ist jetzt so groß, dass ich mich wieder aktiver in's Jugger einbringen möchte.

Eine konkrete Bewerbung erfolgt dann im Herbst.

Token = Spielstein = Simon

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