Juggerlabor Hannover 13./14.07.2019 - Ergebnisse

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Gerd
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Juggerlabor Hannover 13./14.07.2019 - Ergebnisse

Beitrag von Gerd » Mo 15. Jul 2019, 15:07

Tataaa - im Anhang die Ergebnisse.

In Kurzform vorab: etwa 2/3 wollen lieber bei 8 bleiben, etwa 1/3 bevorzugt 5 Steine.

Vielen Dank an alle, die sich an der Fragebogenaktion beteiligt haben. :applaus:
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Hannover_Fragebogen_Ergebnis.docx
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Hannover Fragebogen_Daten.xlsx
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Nur weil man paranoid ist, heißt das nicht, dass man nicht auch verfolgt werden könnte!

Gerd
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Re: Juggerlabor Hannover 13./14.07.2019 - Ergebnisse

Beitrag von Gerd » Mo 15. Jul 2019, 22:13

Sodele, dann wollen wir doch mal in die Manöverkritik einsteigen.

Zwei Dinge in eigener Sache vorab:
1. Ich hatte mit der ganzen Sache im Vorfeld nichts zu tun! Aus meiner Sicht war die Diskussion damals beendet, bzw. habe ich mir vorgenommen, den Ball nicht mehr weiter zu spielen. Ich dachte mir, dass wenn jemand von der Idee mit den 5 Steinen überzeugt ist oder es auch einfach nur weiter testen möchte, dann würden diese Leute den Ball schon aufnehmen und das Thema weiter vorantreiben. Da ich aus gesundheitlichen Gründen ohnehin in den letzten zwei Jahren kein Jugger spielen konnte, war mir das Thema inzwischen auch herzlich egal. Vor drei Monaten konnte ich dann wieder beim Juggern einsteigen und war völlig überrascht, dass nach zwei Jahren ein großes, zweitägiges Turnier mit 5 Steinen gespiellt werden sollte. Aus reinem Interesse und Spaß an der Sache - und inzwischen ganz sicher ohne irgendwelche Präferenzen - habe ich dann angeboten, die Fragebogenaktion durchzuführen.

2. Vielen Dank an die Turnierorga, dass ich die Fragebogenaktion für Euch durchführen durfte.
Um es kurz zu halten gehe ich erst einmal nur auf die klaren Entscheidungen der Teilnehmer (TN) ein. Für mich sind alle Entscheidungen eindeutig, die im Durchschnitt über 3,49 oder unter 2,51 liegen. Die Summe subjektiver Eindrücke lasse ich insofern einfach mal als Fakten gelten:
- Kettenspieler wurden häufiger als sonst abgeschlagen, weil sich die Kette gewickelt hatte und der zuvor abgeschlagene Gegenspieler nach 5 Steinen schon wieder aufstehen durfte.
- Mannschaften haben NICHT öfter als sonst auf die Aufstellung der Kette verzichtet, da diese nur 5 Steine verteilt.
- Die Fragen 4.3. und 4.4. haben genau den Wert 2,51. Ich nehme sie mal mit rein: Ganz vorsichtig gesagt spielt die Mannschaft sowohl an der Linie als auch im Spiel mit der Kette auf die gleiche Weise zusammen, egal ob 5 oder 8 Steine.
- Die Kette spielte bei diesem Turnier trotz verkürzter Strafzeit eine einzigartige Rolle (eben eine andere Rolle als die Nahpompfen).
- Doppel: etwa die Hälfte aller Spieler hatte kein einziges Doppel mit Kettenbeteiligung, und die Gesamtsumme der Doppel erscheint recht gering. Ich denke, den gesamten Komplex „Doppel“ kann man getrost aus der Diskussion ausklammern, da sie nur relativ selten vorkommen.
- Insofern sind diese Punkte: „Nach einem Doppel war meistens die Kette benachteiligt“ und „Nach einem Doppel war der Nahpompfer meistens NICHT benachteiligt“ zwar bestätigt, aber wohl vernachlässigbar.
- „Die TN fanden es einfacher, nach jedem Treffer immer nur bis 5 zählen zu müssen“. Klare Sache, darum ging es ja auch ursprünglich.
- „In den meisten Fällen war es NICHT egal, ob ein Spieler nach einem Kettentreffer 5 oder 8 Steine hatte, da ohnehin schon ein Punkt erzielt war.“ Das IST wichtig, dazu später mehr.
- Zuschauer und Spieler sind sich einige: Langweiliger wird es durch die 5 Steine nicht! Ob Sie es aber auch spannender fanden, ist ungewiss.
- Kette lernen ist nichts, was belohnt werden müsste.
- Eindeutiges Statement: Die 5-Steine Regel macht das Spiel schneller/wilder/hektischer. Und nach Ansicht einiger Kommentatoren auch härter. Das ist auch wichtig (s.u.)
- Auch klar: Die TN würden eine Kette nicht wegen 5 Steinen zu Hause lassen
- 8: 62 // 5: 30 (+2 wahrscheinliche, die nur eine Seite des Fragebogens ausgefüllt haben, aber mit 5 Steinen mehr Spaß als mit 8 hatten. Aber egal). Das sind 2/3 zu 1/3 für 8 Steine und ein eindeutiges Votum.


Meine eigenen Beobachtungen und eigene Meinung zu den Auswirkungen:

Die beiden aus meiner Sicht kritischen Punkte sind folgende:
In den meisten Fällen war es NICHT egal, ob ein Spieler nach einem Kettentreffer 5 oder 8 Steine hatte, da ohnehin schon ein Punkt erzielt war.“ Da ist was dran. Es kam zwar nach wie vor zu der hinreichend bekannten Situation: Sprint/Linie/Überzahl/Punkt. Aber deutlich öfter als mit 8 Steinen kam es auf dem Turnier zu einer zumeist sehr chaotischen weiteren „Nach der Linie Phase“. Und genau das ist die entscheidende Auswirkung auf das Spiel, die zu folgender Wahrnehmung führte:
Die 5-Steine Regel macht das Spiel schneller/wilder/hektischer/(härter). Ja. Und jetzt wird’s friemelig: Warum war das – zumindest in Hannover - so? Klar wird das Spiel schneller. Aber warum hektischer, wilder und – von einigen TN gefühlt – härter?
Nun, die Spielzüge dauerten länger, es gab viele Pins und mikrotaktisch anspruchsvolle Situationen*. Aber all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich stellenweise um eine Art (scheinbar) wahllose Klopperei mit Regeln gehandelt hat.
Hier sehe sich zwei Möglichkeiten: Entweder liegt das daran, dass sich diese wilde Klopperei nicht vermeiden lässt. Dann sind 8 Steine möglicherweise wohl die bessere Wahl. Einfach, damit es ein sinnvolles Spiel bleibt und nicht zur Prügelei mit Regeln ausartet.
Oder es lag daran, dass die Teams auf diese andere Situation nicht wirklich gut genug vorbereitet waren, und einfach so gespielt haben, als habe man Ketten mit 8 Steinen. Ich weiß nicht, wie oft ich gesehen habe, dass Spieler von Team A Team B überrennen, um dann von hinten von den wieder aktivierten Spielern angegangen zu werden. Und das führt dann natürlich auch zu einiger Hektik und im schlimmsten Fall auch zu Härte.

5 Steine Ketten konfrontieren die Teams anscheinend mit einer andersartigen „Nach der Linie-Phase“. Im Ergebnis wurde es in dieser Phase (zumindest auch) aufgrund teamtaktischer oder individueller Fehlentscheidungen sehr chaotisch.
Aus meiner Sicht verändert eine 5 Steine-Kette das Spiel in der Tat kolossal und zwingt zu einer ganz anderen Spielweise als mit einer 8 Steine Kette. Es ist mit 5 Steinen längst nicht mehr so einfach, seine über die Kette errungene Überzahl in Ruhe auszuspielen. Entweder geht es also wirklich schnell, d.h. Anlauf/Linie/Punkt, oder es wird ein deutlich offeneres Spiel, als man es mit einer 8 Steine Kette gewohnt ist. Aus meiner Sicht werden dann die Teams gewinnen, die in Sachen Pompfenstärke, Taktik und Teamplay mehr drauf haben, als einfach nur über die Kette das Spiel zu machen.

Möglicherweise ist es aber auch einfach Geschmacksache und lässt sich letztlich auf diesen Nenner bringen: Mehr Ruhe im Spiel: 8 Steine, mehr Action: 5 Steine.

Mir selbst gefallen Spiele mit fünf Steinen besser. Ich finde Sie taktisch und individuell anspruchsvoller, aber nunja, das ist eben auch nur meine eigene Meinung.

Die TN in Hannover haben sich jedenfalls sehr deutlich für 8 Steine entschieden.

* Bestes Beispiel dafür im Finale: Rigors Läufer war dem 7 Sins Läufer im Läuferkampf um den Jugg körperlich eindeutig überlegen. Sein Teammate trifft die falsche (individual-)taktische Entscheidung und löst seinen Pin gegen die Sins-Kette. Rigor verliert daraufhin die Runde, und zwar aufgrund einer falschen taktischen Entscheidung in der Phase nach der Linie.
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