Überoptimierte "Metastäbe"?

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Ein Uhu
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Überoptimierte "Metastäbe"?

Beitrag von Ein Uhu » Di 22. Okt 2019, 09:10

Der Stab ist vielleicht die Pompfe, die sich innerhalb weniger Jahre am weitesten von ihrem Original entfernt hat. Ketten haben sich extrem verändert, Langpompfen werden durch ein laues Lüftchen zum Steigdrachen, aber sie alle sind hinsichtlich der Grundwerte gleich geblieben – der Stab nicht.

Zum Vergleich:
:idea: Früher hatten Stäbe üblicherweise 50 cm lange, gepolsterte Blockflächen, 20 cm Griffe, um die der Stab gegriffen wurde (daher: "Griffläche"). Diskussion dazu hatten wir bereits hier im Forum.
:arrow: Heute brauchen Stäbe gar keine Blockflächenpolsterung mehr (Manschette zählt nicht, die hat nur begrenzende Funktion). Darüber hinaus kann der Bereich jenseits der Manschette beliebig lang sein. Und der Stab muss nicht mehr an der mittleren Griffläche gehalten werden, es genügt, eine Alibifingerspitze dran zu haben. Mit einer "Griffläche" hat das nichts mehr zu tun.

Das alles macht den Stab deutlich stärker als früher. Ich experimentiere derzeit selber mit einem solchen, um einen praktischen Eindruck zu gewinnen, und mein lieber Schwan, das Ding ist echt kein klassischer Stab mehr. Spielt sich durchaus schön!

ABER:

:schreiber: Was halte ich daran für problematisch?

:arrow: Maximalreichweite wird unterlaufen
Dadurch, dass Stäbe nicht mehr an der mittleren Blockfläche gegriffen werden müssen, sondern eine Alibifingerspitze genügt (oder die modernen V-Finger), wird die Reichweite des Stabes über die 110cm teilweise signifikant erhöht. Ein Vorteil, den Lang- und Kurzpompfen nicht haben.
Am Rande bemerkt ist es damit auch mit Verlaub gesagt lächerlich, wenn Pompfenchecker Pompfen wegen 5 mm Längenunterschied monieren. 6 cm mehr Reichweite durch lange Finger machen da wesentlich mehr aus. Wobei ich einen Millimeter-Pompfencheck ohnehin für bürokratischen und nicht praxisrelevanten Blödsinn halte ...

:arrow: Immer größere Vorteile durch Privatbauweise.
Dies betrifft Ultraleichtbauweisen ebenfalls, aber besonders den Stab:
Die Schere zwischen Privatpompfen und "generischen" Vereins- und Workshoppompfen geht weiter auseinander. Wer einen selbstgebauten Stab verwendet, hat klare Vorteile gegenüber jenen, die generische Pompfen verwenden.
Nun werde beispielsweise ich aus nachvollziehbaren Gründen für Vereins- und gerade Jugendbauworkshoppompfen keine ungepolsterten Blockflächen und keine verkürzten Stäbe bauen lassen. Wegen zu hohem Wartungsaufwand, zerbrechenden Stabblockflächen wegen Durchlaufens (ja, schon gesehen) re. zu großem Risiko in ungeübten Händen. Workshoppompfen werden also noch mehr "Loserpompfen" sein, anstelle des sportlichen Vermögens des / der Spielenden.

:arrow: Das Problem der Privatbauweise nimmt meines Eindrucks nach ohnehin immer stärker zu, quer durch alle Pomfpenarten: Nicht Dein Vermögen, sondern Deine Pompfe entscheiden über Deinen Erfolg. Nicht Aussehen oder kleine Gimmicks (Kettenfangringe, Halteaussparungen usw.) treiben solche Privatbauweisen voran, sondern die Hochoptimierung für schnelles Spiel. Der Stab treibt das auf die Spitze. Und wer weiß, wie andere Pompfenarten hier nachziehen werden.

:?: Was meint Ihr?
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Felix2.0
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Re: Optimierte "Schummelstäbe"?

Beitrag von Felix2.0 » Di 22. Okt 2019, 11:25

Hi,

ich stimme Dir zu.

Die Problematik wurde natürlich schon vor der Abstimmung im Forum diskutiert und die Probleme die du nun hier aufwirfst wurden auch in diesen Diskussionen schon erkannt.

Leider wurden sie zum größten Teil verworfen, meiner Meinung nach war die Problematik derart offensichtlich das es mich schon sehr gewundert hatte warum man diese nicht erkennen wollte. Entsprechend hatte ich da auch eine Theorie geäußert ;-)

viewtopic.php?f=5&t=5604

viewtopic.php?f=5&t=7469

Du teilst meine Bedenken vor 2 Jahren.

Meiner Meinung nach war die Abstimmung auch etwas ungünstig gestaltet, doch solche Abstimmungen sind nicht leicht zu konzipieren und entsprechend will ich hier die Kritik daran nicht wieder aufleben lassen. (Es ist alles ehrenamtliche Arbeit!)

Doch wird es schwierig die Regeländerung wieder rückgängig zu machen, weil wie damals bei der Diskussion hier im Forum, einfach zu viele Leute davon profitieren!

Ich persönlich sah mich gezwungen eben auch auf die Leichtbauweise und den Stab im allg. umzuschwenken.

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Re: Überoptimierte "Metastäbe"?

Beitrag von Ein Uhu » Di 22. Okt 2019, 12:28

Jo, betrifft ja nicht allein den Stab, sondern im Grunde die bauliche Extrem-Optimierung im Allgemeinen. Beim Stab ist sie nur besonders auffällig.
Aber klar, die Diskussionen gab es schon ... danke für die Links, die hatte ich auf die Schnelle nicht herausgesucht.

Was das Procedere der Abstimmungen betrifft, so ist das tatsächlich ein anderes, eigenes und oft diskutiertes Thema ... aber hier nicht gemeint.
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Re: Überoptimierte "Metastäbe"?

Beitrag von Siggi » Di 22. Okt 2019, 14:11

Ich gehe grundsätzlich konform mit den von dir geteilten Äußerungen, muß aber diesmal meinen subjektiven Eindruck nach über 20 Jahren Stab kund tun.

a) Der Stab ist die letzte Pompfe die ein Lifting durch extreme Leichtbauweise durchgemacht hat. Der ist notwendigerweise nachgezogen, da Stechpompfen so schnell geworden sind.
b) Die aktuelle Griffhaltung war meiner Ansicht keine gute Entscheidung. Aber auch diese beruht eben auf einem Nachziehen gegenüber den anderen Pompfen. Wenn du dir ansiehst wie diese gehandhabt werden, haben viele Spieler auch da einen optimalen Reichweitenzuwachs durch ihre Handhabung erreicht.
c) Ich bin den umgekehrten Weg gegangen und trainiere des öfteren mit einer richtig leichten Langpompfe und mein lieber Schwan ist das Ding schnell.
Das resultierte auch aus einer gewissen Frustration heraus...
d) Nach meiner Einschätzung sind Stäbe in den aktuellen Topteams eher unterrepräsentiert (spich wenn ich auf Turnieren zuschaue oder Videos gucke).
Da dominieren Q-Tip und Langpompfe. Wäre der Stab also so viel besser müssten ja das "Meta" des Turnierspiels in diese Richtung gehen.

Zusammenfassend:
-> Alle Pompfen sind viel leichter und damit viel schneller geworden.
-> Die Griffhaltung und Handhabung hat sich dadurch bei allen Pompfen geändert.

Und nun?
Meiner Meinung nach müssten begrenzende Regelungen auch alle Pompfen betreffen.

Am Einfachsten wäre das beim Greifen:
Alle Pompfen müssen mit der kompletten Hand an den entsprechenden Griffflächen gegefasst werden. (Wir lassen die Kette hier mal außen vor.)

Dann wäre die Frage ob du Mindestgewichte einführen willst.
Ein Vorteil wäre meiner Ansicht nach ein saubereres Handling. Aktuell sehe ich bei vielen Leuten im mittleren Leistungsniveau eher Gestocher mit hoher Frequenz - irgendwas trifft bestimmt.
Ein Nachteil ist sicher die Beschränkung bestimmter Spieler. Wo setzt du an? Mit den schweren Knüppeln anno Tobak waren filigran gebaute Leute oftmals außen vor. Von daher hat Jugger bestimmt eine größere Spielerplattform, da mehr Leute mit den leichten Pompfen auch gut spielen können.
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Re: Überoptimierte "Metastäbe"?

Beitrag von Pit » Di 22. Okt 2019, 14:21

Als aktiver Schildspieler habe ich beim Stab vor allem Sicherheitsbedenken.

Einerseits halte ich die "ungepolsterte Blockfläche" (von den meisten als hintere Griffläche deklariert) für ein unnötiges Risiko. Das bisschen Poolnudel um den Drehpunkt des Stabes macht für das Trägheitsmoment der Pompfe wirklich keinen großen Unterschied. Große blanke Kernstabflächen sollten meiner Meinung nach für ein schnelles Spiel wie Jugger tunlichst vermieden werden. Kollisionen kommen de fakto auch bei Spielen mit hohem Niveau regelmäßig vor. Im Duell mag das selten passieren, aber man denke nur an die Situationen, wo man noch ganz schnell den Läufer erwischen muss und gleichzeitig einer Kette ausweicht, der Spieler dem man gerade in den Rücken schlagen will unvermittelt rückwärts läuft oder wie gesagt an den Spielstil von Schildspielern.
Gerade als Trainer einer Kinder- und Jugendmanschaft wünsche ich mir hier mehr Sicherheit auf Turnieren. Auf einigen wurden diese Saison gepolsterte Blockflächen vorgeschrieben ohne dass Stabspieler hart darunter gelitten hätten. (und ja, die Argumentation trifft auch auf Q-Tip-Grifflächen zu. Das schlagende Gegenargument ist bei diesem aber wohl die deutlich schlechtere Spielbarkeit der Pompfe)

Die "neue" Griffhaltung finde ich vor allem unintuitiv. Wenn ich unseren Neuspielern die Stabhaltung zeige beschleicht mich immer das Gefühl, denen gleich am Anfang beizubringen wie man die Regeln maximal zu seinem Vorteil ausnutzt. Sprachlich konsequent sollte eine Pompfe an der Griffläche gegriffen werden.
Abgesehen davon bekomme ich seit der "neuen" Grifflächen-regelung tatsächlich hin und wieder vordere Grifflächen auf meine Kurzpompfen-Hand. Das passiert verhältnismäßig selten (~1x pro 2-Tages Turnier), ist aber durch den Stabhebel verhältnismäßig unangenehm. Es gibt Stabspieler, die ihre Schlagflächenpolsterung über den vorderen Griff erweitern, das ist aber eine deutliche Minderheit.

Ich spiele mittlerweile nur noch mit einem fetten Schutzhandschuh (und bekomme dafür immer mal wieder nette Kommentare ab=) und rate das auch unseren anderen KP-Spielern. Ich fände es aber deutlich schöner, wenn wir es hinbekommen würden, unsere Pompfen sicher zu machen, statt selbst Schutzausrüstung tragen zu müssen.

Eine Abstimmung über gepolsterte Blockflächen würde ich begrüßen, bei der Griffregelung würde es wohl eher kontrovers werden, wenn man dieses Fass wieder aufmacht.

Edit: Balancing ist natürlich auch ein interessanter Punkt, aber mir persönlich fehlt die statistische Grundlage, um da mehr als eine Bauchgefühlentscheidung zu treffen.

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Re: Überoptimierte "Metastäbe"?

Beitrag von Felix2.0 » Di 22. Okt 2019, 15:37

Die LP ist durch die Carbonbauweise wirklich stärker geworden. Das könnte der notwendige Ausgleich (Balancing) gewesen sein um den Schlagflächennachteil wieder wegzumachen.

Der Reichweitenzuwachs des Stabes wurde auch von mir moniert aber auch abgeschmettert ;)

Mit deiner Ansicht, dass in den Topteams (welche man auch immer so bezeichnen möchte) der Großteil LP und Q-Tip spielt, stimme ich nicht überein.
Es ist relativ ausgeglichen.

Der Reichweitenvorteil der Stäbe konnte durch die Leichtbauweise (Carbon) der LP zum Teil ausgeglichen werden.

Ein großes Problem bei der Leichtbauweise sehe ich immer noch in der Trefferwahrnehmung und der Treffersichtung. (Natürlich anderes Thema)

Die Handhaltung wieder mit den Regelwerk an die volle Hand anzupassen, würde wie aus den verlinkten Threads ersichtlich, auf nur wenig Gegenliebe stoßen.

Die Polsterung der hinteren Stabblockfläche könnte man wieder ins Spiel bringen aber auch hier glaube ich kaum das sich da viele Befürworter finden werden.

Polsterung des Q-Tip Griff wurde schon diskutiert und da gingen die Meinungen auseinander.
Nach meiner Erfahrung bekomme ich diesen schon eher zu spüren.
Hier könnte man sicher mit einen ordentlichen Regelvorschlag in die Abstimmung gehen.


Für mich das bisherige Fazit:

Es würde schwer werden den Stab seine jetzigen Vorzüge was die Abmessung angeht wieder zu nehmen.
Ebenso die Reduzierung der hinteren Blockfläche wieder rückgängig zu machen.

Die gesamte Hand an der Grifffläche könnte man wieder einführen, doch zweifel ich da eine absolute Mehrheit an.

Weitere praxisnahe Lösungsvorschläge sind notwendig-

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Max V.
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Re: Überoptimierte "Metastäbe"?

Beitrag von Max V. » Mi 23. Okt 2019, 20:24

Ich teile mein Beitrag mal in zwei Teile. Teil 1 beschäftigt sich mit der Entwicklungen der Pompfen insbesondere dem Leichtbau und der zweite Teil mit der Stabkitik.

Teil 1:
Ein Uhu hat geschrieben:
Di 22. Okt 2019, 09:10
Nicht Dein Vermögen, sondern Deine Pompfe entscheiden über Deinen Erfolg.
Nach meiner Einschätzung wird die Duellstärke von Pompfern in diesem Thread nicht realistisch dargestellt. Jeder Pompfer, der sich darauf verlässt nur knapp eher zu treffen ist kein guter Pompfer und es gibt genug Methoden das zu bestrafen. Gute Pompfer verlagern ihren Gegner, erkennen und nutzen kleine Fenster. Natürlich hat Gewicht einer Pompfe Einfluss. Mit einem Vollstab 3-Lagen Knochen kann ich diese Fenster nicht so konsequent nutzen, wie mit dem neusten Nimbus 2000. Aber GFK-Rohr und insbesondere Bambus und Carbon liegen nah genug beieinander, dass man ein Großteil kompetitiv abdecken kann, ohne eine überoptimierte (hihi) Pompfe spielen zu müssen. Auch erfordert eine leichte Bauweise bestimmte Spieltechnik, die auch nicht vom Himmel fällt, sondern erlernt werden muss. Es ist also nicht so, dass eine leichte Pompfe auf einmal jeden besser macht. Es sind eher die schweren Pompfen, die einen zurückhalten. Und das ist nun wirklich kein Fall, mit dem die Extrembauer die anderen Spieler ausgrenzen. Spieler mit weniger Körperkraft haben so sogar eine Möglichkeit eine größere Auswahl an Pompfen zu spielen, die sie sonst nicht spielen könnte. Britta (FKK) wollte meines Wissens schon länger Schild spielen, ist aber an dem Gewicht gescheitert bis EPP kam. Daher finde ich die Weiterentwicklung des Leichtsbaus und den damit verbunden Abbau von Hürden begrüßenswert. Außerdem hat auch die Wucht der Schläge abgenommen, was das Spiel einsteigerfreundlicher macht. Ich habe lieber einen Gegner mit einer leichten Pompfe, der auf mich drischt, als jemand mit nem schweren Knüppel.
Das ein Leichtbau keine Sicherheitsrisikos in Kauf nehmen sollte, ist natürlich wichtig, aber dass kann man wohl kaum den Leichtbau allgemein ankreiden, sondern asoziale Spieler, die Sicherheitsrisikos schaffen. Es gibt aus meiner Sicht keinen Zwang zum fahrlässigen Bauen.

Die Grenze zwischen Privatbau und Fremdbau finde ich übertrieben künstlich. Natürlich gibt es typischerweise in Vereinen allgemeine Pompfenpools die von allen genutzt werden können, damit Einsteiger was zu Pompfen haben. Und die müssen nunmal stabil sein, da man nicht weiß, wie die so losprügeln. Aber bis jemand vom Einstieg echt turnierfähig ist, vergeht genug Zeit, so dass er sich eine Pompfe nach seinen persönlichen Vorlieben bauen kann - Bambus for the win. Die Kosten einer Bambuspompfe sind lächerlich gering und auch das High End Carbon-Segeltuch Modell mit Heckspioler ist im Vergleich zu anderen Sportarten ziemlich günstig. Für das Geld fällt es schon schwer gute Sportschuhe zu finden.

Man denke übrigens noch zurück an Hannover 2017 und ihren Bruchtest (hier nachzulesen), wo die Community doch sehr deutlich gemacht hat, dass sie gerne mit leichten Pompfen spielen möchte und kein Generalverdacht für gefährliche Bauweise ausgesprochen wird.


Teil 2:
Die Regel, die die hier kritisierte Stabhaltung ermöglicht hat kam mit dem Regelwerk 2015 also vor fast 5 Jahren. Zwei Jahre danach war die Haltung der Standard im kompetitiven Jugger. Heute noch von einem Grenzgang und ausnutzen der Regeln zu reden, ist eine Sprachweise, die die Realität für die eigene Meinung verdreht. Fakt ist, so spielt man heutzutage Stab und das hat nichts mit Schummeln oder unfaire Vorteile zu tun. Die Regel hatte die größe Konsequenz für den Stab. Durchgesetzt hat sie sich vor allem weil sie einheitlich ist. Sie deckt die typische Spielweise für Q und Lang zuverlässig ab. Hier kann man vielleicht von einem notwendigen Übel reden oder doch besser von dem Design des Spiels. Dieses Design funktioniert trotz seiner so wie so schon überragenden Zugänglichkeit, hat der Stab die anderen Pompfen nicht verdrängen können.
Die Maximale Reichweite spiegelt nicht den Punkt wieder, wo jemand getroffen werden kann. So what? Warum ist diese Zahl, die einfach festgelegt wurde denn heilig? Das Verhältnis der Pompfen funktioniert ausreichend gut. Auch hier ist ein Spieler der sich auf ein paar Zentimeter verlässt nicht dem realen Jugger gewachsen. Der Vorteil ist real, aber entscheidet doch nicht ernsthaft zuverlässig Duelle, die Fehler liegen woanders.
Siggi hat geschrieben:
Di 22. Okt 2019, 14:11
Ein Vorteil wäre meiner Ansicht nach ein saubereres Handling. Aktuell sehe ich bei vielen Leuten im mittleren Leistungsniveau eher Gestocher mit hoher Frequenz - irgendwas trifft bestimmt.
Das nennt sich Jugger. Es ist kein Buttommashing in Tekken. So ein Verhalten hat seine Vor- und Nachteile und kann in den richtigen Situationen gewinnbringend genutzt werden. Ich kann daran leider nichts inhärent Schlechtes sehen. Die Spieler im Jugger werden immer sportlicher und wollen schnell spielen. Bisher ist das Spiel dadurch noch nicht kaputt gegangen. Was bringt es den Retroschlag zu erzwingen? Das hat den Beigeschmack von "Früher war alles besser."
Pit hat geschrieben:
Di 22. Okt 2019, 14:21
Einerseits halte ich die "ungepolsterte Blockfläche" (von den meisten als hintere Griffläche deklariert) für ein unnötiges Risiko.
Und nun die ungepolsterten Griffflächen. Die "Blockflächen" nicht nur von manchen so genannt, sondern sind auch so im Regelwerk und Blockfläche ist ein Begriff der Verständlichkeit nicht der Sachlichkeit. Ich persönlich begrüße auch dort eine leichte Polsterung vorzufinden, aber wie schon richtig angemerkt, misst man hier mit zweierlei Maß. Bevor wir den Stab machen, müssen wir uns dann wirklich ernsthaft mit dem Q-Tip beschäftigen, wobei wir das glaube ich schon vor 2 Jahren gemacht haben. Generell begrüße ich auch, wenn Leute ihre Stäbe vernünftig bauen, aber regeltechnisch scheint mir das nicht zu begründen, wenn man den Q-Tip weiter blank ziehen lässt. Von daher nehme ich die Freizügigkeit in dem Bereich hin. Wo ich wiederum Probleme habe, ist die Unverhältnismäßigkeit. Klar ist das Schild manchmal näher am Gegner, als es ihm selbst lieb ist, aber wenn deine Hand an der Grifffläche vom Stab ist, dann kannst du ja auch schon den Gegner hinter dem Stabbesitzer mit deiner KP treffen. und auch bei Q und LP kommt dann der Griff. Wenn das nun häufig passiert, soll man sich ja ruhig schützen können. Hierbei aber das Volumen der Hand mit einem Handschuh (Eishockeyhandusche sind hier gemeint. Ich weiß nicht auf was für welche du dich beziehst) zu verdoppeln, ist aus meiner Sicht einfach unverhältnismäßig und der deutlich größere Dick-Move.
Felix2.0 hat geschrieben:
Di 22. Okt 2019, 15:37
Die LP ist durch die Carbonbauweise wirklich stärker geworden. Das könnte der notwendige Ausgleich (Balancing) gewesen sein um den Schlagflächennachteil wieder wegzumachen.
Wenn auch als Analyse vielleicht okay (habe ich keine Ahnung von), mit der Herleitung über die erstarkte LP kann ich nicht viel anfangen. Warum es so geworden ist, ist nur ein schlechtes Argument, warum es so sein oder nicht sein sollte.
"[...] und präsentierte sich ihm mit einem Blick über die Schulter, den man wohl als schalkhaft erwartungsvoll bezeichnen musste."

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Re: Überoptimierte "Metastäbe"?

Beitrag von mad » Do 24. Okt 2019, 18:42

+1 Max
There are neither beginnings nor endings to the turning of the Wheel of Time. But it was a beginning.

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Re: Überoptimierte "Metastäbe"?

Beitrag von Freeborn » Fr 25. Okt 2019, 00:48

Ich bin ebenfalls kein Freund des Alibifingers am Stabgriff. Dabei liegt das Problem meiner Meining nach noch nicht einmal im viel beschworenen und noch so heiligen Balancing durch die Reichweitenerhöhung - wobei ich Uhu Recht geben muss, dass das den Fairnessgedanken hinter zentimetergenauen Pompfenchecks (die ich übrigens im Zuge der zunehmenden Professionalisierung durchaus für sinnvoll halte) eindeutig ad absurdum führt!

Noch gar nicht erwähnt wurde hier im Übrigen das Problem der wirklich schwierigen Schiedsbarkeit. Seit die Grifffläche wie aktuell wirklich nur noch mit der Fingerspitze berührt werden muss, ist es häufig zu beobachten, dass sie den Kontakt im Schlag komplett verliert. Dahinter muss auch nicht einmal zwangsläufig Absicht des Spielers stecken. Gerade bei der heutigen Spielgeschwindigkeit und den millimeteroptimierten Minimanschetten ist es gar kein Wunder, wenn die Fingerspitze in der Bewegung ein wenig (denn wenn ich bereits am Rand der Gültigkeit greife reicht das ja schon) oder je nach Griffstärke auch mal maßgeblich verrutscht. Dabei spreche ich auch nicht nur von meiner eigenen Erfahrung als Trainer und Gelegenheitsstab. Das ist auch unter geübten Stabspielern und bei turniererprobten Teams noch regelmäßig zu sehen. Als Gegner oder Schiedsrichter ist es unmöglich zu sagen, ob die Fingerspitze da jetzt "grade noch dran war" oder nicht mehr. In dem Leistungssport, als der Jugger mittlerweile auf vielen Turnieren betrieben wird, hat eine solche Unschärfe meiner Meinung nach keinen Platz.

Im Übrigen teile ich als Erklärbär des Teams voll und ganz Pits unangenehmes Gefühl, neuen Stabspielern schon beim ersten Pompfenkontakt beizubringen am Rand der Regeln zu wandern. Wie soll man da noch Fairness und seriöse Sportlichkeit predigen ohne hypokritisch zu wirken?


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Re: Überoptimierte "Metastäbe"?

Beitrag von Ein Uhu » Fr 25. Okt 2019, 08:42

In Summa ist alles gut, was a.) von der Gemeinschaft so gewollt ist (=Regelabstimmungen) und b.) allen zugänglich. Was natürlich per se auf obiges zutrifft.
In sofern ist mein Posting ein Denkanstoß über die Entwicklungsrichtung, die Jugger derzeit nimmt, mehr nicht.

Zunächst: Ich möchte noch einmal betonen, dass es mir hier nicht um die Leichtbauweise an sich mit Kernrohren usw. geht, die ganz zweifellos auch der Sicherheit und Handhabung zuträglich ist. Ich bin kein Fürsprecher des 1,2 kg Vollkernstabes.
Das scheint mir ebenso hier wie auf Facebook als Rotes Tuch missverstanden worden zu sein.

:idea: Vielmehr spreche ich die extreme Optimierung hin zu Ultraleichtpompfen (Poolnoodle + Carbon + Minimaltape + Sparen an der Polsterung + Verzicht auf Manschetten) an, die für Leute nicht zugänglich ist, denen es mangelt an Zeit/Material/Willen/Können zur ständigen Wartung. Und denen ich dennoch nicht absprechen möchte, dass sie gerne, ehrgeizig und auch ausrüstungsseitig fair Jugger spielen (möchten).
  • Ja, engagierte Spieler werden irgendwann sicher eigene Spielgeräte bauen.
  • Nein, es kann m. E. nicht von ihnen erwartet werden, dass sie die Ultraleichtbauweise nutzen, die sie regelmäßig warten/ Teile ersetzen müssen.


Aus der Sicht als Jugendtrainer gesprochen (hier liegen die Verantwortlichkeiten natürlich anders, das illustriert das Problem aber gut): Ich will keine Ultraleichtbauweise im Team haben, weil ich als Verantwortlicher dann noch mehr als bei robusten Pompfen kontrollieren müsste, ob sie noch okay ist, sie ggf. aus dem Training nehmen müsste (=plötzlich eine Pompfe zu wenig, Unmut) und nicht weiß, ob und wie er/sie das Ding wieder instandsetzt. Und schon gar keine ungepolsterten Parierflächen. Beides verringert im Übrigen die vielgepriesene Sicherheit m. E. deutlich.
Spielen wir gegen ein anderes Team, das diese Sichtweise nicht teilt, haben wir eher Unmut im Team und einen subjektiv unverschuldeten Nachteil -- wie groß der auch immer sein mag.

Aber ich stimme Max insofern zu, als die Pompfenart nur bedingt über den Erfolg eines Spielers bzw. einer Spielerin bestimmt, wesentlich ist das sportliche Vermögen udn bspw. das Können als Team. Dennoch wird bei Spielern mit gleichem Vermögen eine Ultraleichtpompfe einen (vermutlich) relevanten Spielvorteil bringen, wenn er/sie gegen gleichstarke Gegner spielt.

:arrow: Was das betrifft, so könnte man allerdings anerkennen, dass Erfolg im Jugger neben dem sportlichen auch dem i. w. S. "handwerklichen" Vermögen geschuldet ist. Was als Kriterium auch vollkommen okay ist.


:idea: Es geht aber eben auch um das Ausreizen der Handhabung, wie es beim Stab gut illustriert wird. Wenn die Gemeinschaft der Ansicht ist, dass ein Griff nicht zum Greifen, sondern zum berühren da ist (warum auch immer, muss man nicht verstehen), mit allen Konsequenzen (wie @Freeborns Anmerkung zum Schiedsen und gewollt oder ungewollt unfairem Spiel durch Einhändigkeit), dann soll es so sein. Auch hier wird die Handhabung kein Insta-Win sein, aber wiederum einen möglicherweise signifikanten Vorteil bieten. Es sind halt mal eben 5-8 cm mehr Reichweite.

:!: Am Rande: Aber dann bitte keine vermeintlich "professionellen" Pompfenchecks auf Millimeterbasis. Das passt nicht zusammen (wobei ich solche Übergenauigkeit allenfalls für missverstandene Professionalität halte, siehe oben: Zu geringe Auswirkungen im Spiel, massiverer Einfluss variable in Bauweise und Handhabung). Aber Pompfenchecks als solche wären eine Diskussion für sich ...

(@HLU: Nur gegen Missverständnisse: Ich finde das Pompfencheck-Papier von Euerem Turnier durchaus nicht negativ, insbesondere was den Test auf lockere Schlagflächen, Spitzen und dergleichen betrifft. Das ist m. E. der Kern der Sache. Nur eine Millimeterprüfung schießt m. E. jedoch weit übers Ziel hinaus ... anderes Thema, anderer Ort ...)

(EDIT PS. Und zum Thema dieses magischen Wortes "Professionalisierung", was immer das sein oder gar uns wirklich bringen soll ... wie Felix 2.0 im Folgepost schreibt, ist die Entwicklung zum "Schummelfinger" udn der Ventilatorpompfe schon wegen der schwereren Schiedsbarkeit ein klarer Schritt in die Gegenrichtung.
Wer weiß, vielleicht kriegen wir als Gegenbewegung Turniere, auf denen nur GFK-Rohre mit Rohriso erlaubt sein werden ... was auch nicht wirklich schön wäre.)
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