Warum sind die Regeln leicht abstrakt?

Diskussionen um das Regelwerk
Forumsregeln
Hinweis neuregistrierte Nutzer: Bitte kontaktiert einen Admin wie Ein Uhu ( :idea: siehe hier), damit Euer Konto aktiviert wird.
Wir arbeiten an einer besseren Lösung.
Antworten
Benutzeravatar
Gnom
Beiträge: 1436
Registriert: So 5. Jun 2011, 23:43
Stadt: Berlin
Team: Falco Jugger
Position: Trainer, Gurt

Warum sind die Regeln leicht abstrakt?

Beitrag von Gnom » Mo 25. Nov 2019, 21:16

Ich würde gerne diesen wichtigen kommentar von Simba aus dem Thread nehmen und hier allgemein zur Diskussion stellen:
Simba hat geschrieben: Wofür erarbeiten wir ein Regelwerk, wenn wir an allen Ecken und Kanten damit rechnen oder gar darauf hoffen, dass die Leute sich nicht daran halten? Wenn man im Text formuliert, dass im gesamten Strang eine gewisse "Schlauchfüllung" vorliegen muss, kann man den Leuten nicht vorwerfen, wenn sie diese Mindestfüllung im Pompfencheck dann auch verlangen!
Also entweder sehr wage formulieren, um die Leute zum nachdenken anzuregen ("Was könnte denn 'weich gepolstert' sein?"), dann muss man aber auch damit leben, dass es eine Spannweite an Auslegungen gibt.
Oder aber es wird eine Grenze formuliert ("Mindestdurchmesser = 2cm"), dann ist es in meinen Augen aber nicht verwerflich bzw. zwingend kleinlich, wenn darauf geachtet wird diese auch einzuhalten!
(Natürlich ist es möglich kleinlich zu sein - bei der Nutzung eines Zollstocks darf man halt keine Genauigkeit von 0,3 cm an den Tag legen. Aber mit einem handelsüblichen Messschieber auf 1 cm Genauigkeit zu messen ist ja wohl nicht übertrieben.)
J.L.M. hat geschrieben:
Mi 13. Nov 2019, 21:48
@Simba: Das ist eine spannende Frage, die du stellst. In den Jahren, die ich jetzt schon Regeln für die Abstimmung schreibe, ist mir immer wieder aufgefallen, dass ich noch so ausgeklügelt formulieren kann - es wird zwangsläufig eine Lücke geben, oder falsch verstanden werden. Natürlich sollte der Anspruch des RW sein, wasserdicht alle Fragen des Jugger beantworten zu können, und natürlich finde ich es gut, wenn ein Pompfencheck seine Aufgabe und den Regeltext ernst nimmt. Ich entschuldige mich für meinen lapidaren Tonfall der letzten zehn Tage. De facto können wir in meinen Augen einerseits Missverständnisse nicht ausschließen, müssen aber andererseits auf den gesunden Menschenverstand der Jugger*innen vertrauen.Das RW ist voll von schwammigen Formulierungen, ohne dass es zu nennenswerten Problemen führt, alleine bei der Beschreibung der Pompfen. Das hat auch den Vorteil, dass wir experimentieren und den Sport weiter entwickeln können.
Gerade in Bezug auf die Kette wäre es toll eine Formulierung zu finden, die alle Kriterien erfüllt, also detailreich genug ist, um möglichst wenig Spielraum für Interpretation zu geben, aber nicht zu detailreich, damit der Text übersichtlich bleibt und wir nicht zu viele unnötige Vorgaben machen. Ich habe drei Jahre lang nach dieser Formulierung gesucht. Ich muss gestehen, dass ich jetzt einfach den Sprung wagen und einen Text abstimmen wollte, der mehr auf gesunden Menschenverstand als auf wasserdichte Formulierungen baut. Das sieht mir nicht ähnlich. Gibt es jemanden, der Lust hat, mit mir in einer Telko nach der Formulierung zu suchen? Oder hat jemand eine Lösung für uns?

Wenn sich die perfekte Regel finden und gut anwenden könnte, würden wir diese anstreben. Die Erfahrung zeigt aber, dass es einen gewissen Interpretationsspielraum benötigt, um "regelkonformen Blödsinn" auslassen und "unkonforme Cleverness" zuzulassen. Wenn sich, durch zusammenziehende Iso-Kügelchen, an der Schlaufe ein kleiner ungepolsterter Teil bildet, dann werden wir damit umgehen können und wenn der Pompfenchecker die Diskrepanz zu groß findet, muss der Kettenspieler Ad-Hoc etwas nachfüllen. Bei den Pompfenregeln haben wir viele Jahre Erfahrung dass sich da präzisere Beschreibungen gebildet haben. Aber auch die sind absichtlich Wage gehalten. "Ausreichend gepolstert" ist halt auch nur "Mäßig präzise", würde aber die Vielfalt an gültigen Pompfen und dadurch auch deren Entwicklung massiv einschränken.

Es ist denke ich die Frage ob wir eine Regel mit etwas Interpretationsspielraum gestalten welche aber den Sinn wiedergibt, oder aber ein absolutes Maß. Letzeres lässt keinen Bewegungsspielraum mehr zu und kann sich unter Umständen negativ auf den Gesamtzusammenhang auswirken (Beispiel: Ketten müssen an der Hand geführt werden -> Treffer mit der Kettenschlaufe am Unterarm sind ungültig.

Beispiel der Kettenstränge: Definieren wir dass bei Schlauchketten der Strang mindestens 280 cm gepolstert sein muss kann ich keine Schlaufen >20 cm an meine Kette bauen. Definieren wir das der Strang und die Schlaufe durchgehend gepolstert sein muss muss ich eventuell noch den Knoten/die Naht polstern und das schränkt evl gewisse Bauweisen ein, welche gerade entwickelt werden. Tatsächlich ist es gar nicht so einfach Regeln zu finden, die eben diesen gewissen Freiheitsgrad zulassen ohne zu allgemeingültig oder zu restriktiv zu sein, die Größe des Regeltextes handhabbar belassen und möglichst keine unvorhergesehenen oder ungewollten Implikationen in der Spielmechanik zu erzeugen.

Als Gedankenübung kann man mal eine strikte Regel aufstellen und diese von einem kundigen Regelfuchs auseinander nehmen lassen :hmm: ;)

Grüße,
Felix

Antworten

Zurück zu „Regeln“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast