[Diskussion]Neue Elemente für das Schiedrichtersystems

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Gnom
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[Diskussion]Neue Elemente für das Schiedrichtersystems

Beitrag von Gnom » Di 11. Sep 2018, 14:12

Wie ich auf den letzten Turnieren sehen konnte, und wie sich auch im TE Diskussionsthread gezeigt hat (subjektive Einschätzung) würde unserem Schiedrichtersystem eine Überarbeitung, bzw Erweiterung gut tun. Es haben sich seit 2016 bereits neue Elemente in der Praxis etabliert

Gleich Vorweg: Ich finde unser aktuelles System sehr gut! Das Problem ist nicht das Schiedrichtersystem und eigentlich auhc nicht der "mangelnde" Strafenkatalog.
Wer den Schiedrichterleitfaden nicht (mehr) kennt bitte erst diesen lesen+verstehen und dann antworten. https://www.jugger.org/files/public/pub ... ichter.pdf

7 - Strafen hat geschrieben: Schiedsrichter im Jugger wählen meistens nach ihrem Ermessen aus einer
Reihe von nicht festgelegten Möglichkeiten aus, um auf ein regelwidriges
Spielerverhalten zu reagieren. Sie wägen Regelwidrigkeit und Strafe
gegeneinander ab und kombinieren eventuell Strafen, um weiteren
Regelwidrigkeiten vorzubeugen.
Die Art der Strafe hängt von der Schwere des Fouls, seinem Einfluss auf das
Spielgeschehen und den Beobachtungen des Schiedsrichters ab. [...]
Das Problem am Schiedsen sehe ich darin, dass die Schiedrichter mit der Freiheit der Entscheidungen, die das aktuelle System gibt, nicht sehr gut umgehen können. Sprich: Spielsituationen für die es keine etablierten Präzedenzfälle gibt werden nicht, oder nur in Ausnahmefällen geahndet. Wenn nur Präzedenzfälle geschiedst werden, dann haben wir meiner Meinung nach einen Strafenkatalog - nur was im Kopf-Katalog steckt wird geahndet - aber einen schlechten.

Ich habe am Wochenende im Rahmen der WCC Spiele einige Punkte gesammelt, dich ich gerne mit euch Diskutieren würde. (kommt nicht alles von mir, ist alles von anderen!)


- Verwarnungen und Sanktionen:
Das alte Lied: Erst bei einem harten Verstoß wird überhaupt eine Verwarnung ausgegeben, es kommt nie zu Sanktionen. Da Spielzüge aber durchaus davon abhängen, ob der Läufer (Bsp) den Jugg noch nach dem Treffer noch wirft oder nicht, sollte es auch in solchen Situationen schon zu Verwarnungen kommen. Auf Verwarnungen müssen Sanktionen folgen, sonst sind diese Sinnlos. Das ist ein alter Hut, welcher auch schon in der aktuellen Version des Leitfadens abgedeckt ist aber (noch) nicht zu ausreichend angewandt wird.

Schiedsrichter - Hauptschiedrichter kein Linienrichter mehr
Zusätzlicher Schiedrichter für die Übersicht: 4 Malrichter, 2 Linienrichter und ein Hauptschiedrichter. Der Hauptschiedrichter hat das letzte Wort und seine Aufgabe ist es den Spielfluss und aktuell entscheidende Situationen zu beachten. Er trifft die Entscheidungen des Schiedrichterteams.
- Ich habe dieses System in 2 Spielen als Hauptschiedrichter antesten können und bin sehr Glücklich damit. Entscheidungen konnten besser getroffen werden und die Linien/Malrichter können sich eher auf die einzelnen Spielsituationen konzentrieren. Die Spielrelevanz einzelner Vorkommnisse konnte gut eingeschätzt werden. Siehe: die Diskussion über : Schiedsen von Vorteilssituationen
Der Hauptschiedrichter fällt (zügig) das Urteil, nachdem er die Mal/Linienschiedrichter zu einer Spielsituation befragt hat. Mit Punkte/Steinzähler gibt es dann 6 Spielhelfer, macht 3 pro schiedsendes Team.

Wer Spricht mit den Schiedsrichtern
Der "Captain", der betroffene Spieler? Beide?

Einheitliche Regelung zwischen den Zügen
- 25 Steine ab Linie? Steine ab Jugg? Wie mit der Zeitverzögerung durch Schiedsrichterabsprachen umgehen? Wie werden die Zeitansagen an die Teams kommuniziert?

Matchübergreifende Verwarnungen
Es gibt/gab Spieler (Stand 2017), die den gleichen Stunt/Foul jedes Match so lange abgezogen haben, bis sie vom Schiedsrichter des Matches verwarnt worden sind. Kumulativ ergab das einen großen Vorteil für das entsprechende Team. Wie kann mit Spiel-Übergreifenden Verwarnungen/Sanktionen in umgegangen werden? Möglichst ohne zusätzliche Lasten der Schiedrichter.

Bitte um euer Feedback.

Cheers,
fx

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Max V.
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Re: [Diskussion]Neue Elemente für das Schiedrichtersystems

Beitrag von Max V. » Di 11. Sep 2018, 18:30

Gnom hat geschrieben:
Di 11. Sep 2018, 14:12
Wer Spricht mit den Schiedsrichtern
Der "Captain", der betroffene Spieler? Beide?
In meiner Erfahrung sollte bestenfalls der Captain oder ein Repräsentant des Teams das Gespräch mit den Schiedsrichter suchen. Sollte man noch Informationen des Spielers brauchen, kann man ihn ranholen und befragen. Hintergrund ist, dass ein Spieler der gerade im Spiele eine strittige Situation und schlimmsten Falls einen anstrengen Zug hinter sich hat und sich nur mit Mühe und Not artikuliert. Es dauert dann oft sehr lange bis man als Schiri die relevanten Informationen bekommt. Gleichzeitig kommt es vor, dass den Schiris die Situation schon klar ist und der Spieler brabbelt, und man ihn erst aushört ohne etwas relevantes zu erfahren und sich so die Entscheidung verzögert. In solchen Moment ist es zu empfehlen, dass ein Schiri, der nicht an der Diskussion beteiligt ist, das Begehren des Spielers/Teams aufnimmt und dann geeignet gefiltert an das Schiedsteam trägt.

Was ich noch allgemein ergänzen würde:
  • Inzwischen hat sich eingebürgert, dass sich die Oberteile der Schiedsrichter farblich von den Trikots der spielenden Teams unterscheiden.
  • In hektischen Spielen fordern Spieler von den Schiedsrichtern sehr schnelle Entscheidungen, im Gegenzug müssen sie in Kauf nehmen, dass der Schiedsrichter deutlich im Feld steht, um die Situationen richtig beurteilen zu können. Das gilt für innere Duelle, wenn sie sich zur Linie verdrehen.
  • Inzwischen wird immer viel an Entscheidungen auf die Schiris abgeladen. Es ist aber sehr schwierig Konflikte in dem Moment zu erkenne, wenn sie entstehen. Deutliche Calls für Hand, Treffer, Kopf und präventiv "Nichts" wenn schwer zu beurteilen, machen die Fronten wenigstens klar und als Schiri weiß, man wo man korrigieren muss.
Gnom hat geschrieben:
Di 11. Sep 2018, 14:12
Schiedsrichter - Hauptschiedrichter kein Linienrichter mehr
Zusätzlicher Schiedrichter für die Übersicht: 4 Malrichter, 2 Linienrichter und ein Hauptschiedrichter. Der Hauptschiedrichter hat das letzte Wort und seine Aufgabe ist es den Spielfluss und aktuell entscheidende Situationen zu beachten. Er trifft die Entscheidungen des Schiedrichterteams.
- Ich habe dieses System in 2 Spielen als Hauptschiedrichter antesten können und bin sehr Glücklich damit. Entscheidungen konnten besser getroffen werden und die Linien/Malrichter können sich eher auf die einzelnen Spielsituationen konzentrieren. Die Spielrelevanz einzelner Vorkommnisse konnte gut eingeschätzt werden. Siehe: die Diskussion über : Schiedsen von Vorteilssituationen
Der Hauptschiedrichter fällt (zügig) das Urteil, nachdem er die Mal/Linienschiedrichter zu einer Spielsituation befragt hat. Mit Punkte/Steinzähler gibt es dann 6 Spielhelfer, macht 3 pro schiedsendes Team.
Ich habe das System* in Hannover im Finale und beide Male auf dem WCC mit Felix geschiedst und finde es auch gut. Der angesprochene Vorteilsgedanke scheint inzwischen schon bei vielen in der Community angekommen zu sein und sorgt für gerechter empfundenes Schiedsen.

*Credit dafür geht an Konrad von der HLU
"[...] und präsentierte sich ihm mit einem Blick über die Schulter, den man wohl als schalkhaft erwartungsvoll bezeichnen musste."

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Re: [Diskussion]Neue Elemente für das Schiedrichtersystems

Beitrag von jonas2 » Mi 12. Sep 2018, 18:24

Ich habe einen anderen Vorschlag, der die Anzahl angefragter Wiederholungen reduzieren soll.

Die Idee kam mir nach einem sehr frustrierenden Spiel gegen ein spanisches Team, das nach jedem verlorenen Punkt eine Wiederholung vom Schiedsrichterteam gefordert hat. Problematisch an dieser Vorgehensweise der Spanier sind m. E. mindestens folgende Punkte: 1) Es zieht das Spiel stark in die Länge. 2) Als Team kann man sich einen Vorteil schaffen, wenn man häufiger als der Gegenspieler nach Wiederholungen fragt.

Lösung: Pro Team und Halbzeit/Satz dürfen maximal 3 Wiederholungen zu eigenen Gunsten eingefordert werden. Sofern die Wiederholung gegeben wird, reduziert sich die Anzahl der noch verfügbaren Wiederholungsforderungen nicht. Ansonsten "verliert" man eine Wiederholungsforderung. Dieses System ist im Tennis seit Jahren etabliert und funktioniert sehr gut. Zusätzlich zu den Teams können die Schiedsrichter eigenhändig Wiederholungen einfordern und haben hier natürlich keine Maximalanzahl.

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