Auswirkungen des Leichtbaus von Pompfen

Fragen, Hilfen, Angebote, Anregungen rund ums Juggern
Benutzeravatar
Tim
Beiträge: 143
Registriert: Mi 1. Jan 2014, 22:22
Stadt: Leipzig
Team: Leipziger Nachtwache
Position: Q-Tim

Auswirkungen des Leichtbaus von Pompfen

Beitrag von Tim » Sa 22. Jul 2017, 16:22

Seit einiger Zeit, vermehrt seit der Diskussion über den Hannoveraner Pompfencheck, wird in verschiedenen Threads über die Chancen und Gefahren des Leichtbaus diskutiert. Aspekte der Diskussion sind dabei vor allem die Auswirkungen des Leichtbaus auf Technik, Sicherheit und Chancengleichheit/-gerechtigkeit.
Damit das Thema nicht so zerpflückt wird habe ich diesen Thread aufgemacht.

Ich habe den Eindruck, dass diese Diskussion in der Vergangenheit sehr emotional geführt wurde. Ich fände es schön, wenn das hier anders wäre und hier ein sachlicher Austausch zustandekäme.

Zum Nachlesen hier noch Links
zum Thread des Hannoveraner Turniers: viewtopic.php?f=4&t=6495
zum Ultraleichtpompfen-Thread im Pompfenbau-Forum: viewtopic.php?f=224&t=6934
"Jugger ist wie Fußball, nur ohne Würfel." - Lukas Podolski

Kontakt Ligakoordinatoren: liga@jugger.org

Benutzeravatar
Tim
Beiträge: 143
Registriert: Mi 1. Jan 2014, 22:22
Stadt: Leipzig
Team: Leipziger Nachtwache
Position: Q-Tim

Re: Auswirkungen des Leichtbaus von Pompfen

Beitrag von Tim » Sa 22. Jul 2017, 16:22

Ich spiele seit etwa viereinhalb Jahren und seit ca. zweieinhalb Jahren versuche ich, meine Pompfen möglichst leicht zu bauen. Hier meine persönlichen Erfahrungen und Ansichten dazu. Zum Teil beziehe ich mich dabei auf diesen Post aus dem Ultraleichtpompfen-Thread:
Killerkaninchen hat geschrieben:Ich habe da ehrlich gesagt ein genau gegenteiliges Gefühl. Die Technik leidet extrem unter den leichten Pompfen. Einerseits haben die Pompfer angefangen aneinander vorbei zu schlagen/stechen und andereseits (natürlich auch bedingt durch das irische Doppel) lohnen sich Block, Parade und technisch anspruchsvolle Konter nicht mehr. Blocken wird zu Recht als Nachteil empfunden...
Ich finde diese Entwicklung vorallem deshalb schade, da für mich der technische Fechtaspekt beim Jugger sehr viel vom Reiz des Sports ausgemacht hat.
Thema Technik:
Durch leichte Pompfen tritt der Aspekt der Schnelligkeit sehr viel mehr in den Vordergrund als durch schwere Pompfen. Gewinner eines Duells ist oftmals der, der am schnellsten einen Treffer an einer Trefferzone setzen kann. Dies hat verschiedene Auswirkungen.
Durch die höhere Bedeutung der Schnelligkeit verändern sich die Bewegungen, die man mit der Pompfe durchführt. In erster Linie wird ihr Radius kleiner und sie werden weniger wuchtig. Zudem muss weniger Kraft in die Schlagbewegung gelegt werden, da es einfach wesentlich leichter ist eine leichte Pompfe zu bewegen als eine schwere, was wiederum die Zahl schmerzhafter Wirkungstreffer sinken lässt.
Außerdem habe ich das Gefühl, dass, vor allem auf höherem Spielniveau und entgegen der Wahrnehmung von Killerkaninchen, die Präzision der Angriffe eher zunimmt als nachlässt, ganz einfach deswegen, weil man es sich häufig nicht mehr leisten kann, daneben zu schlagen, da ein geübter Gegner dies für einen schnellen Konter nutzen wird. Dies wird auch dadurch begünstigt, dass bei leichten Pompfen der Aspekt der "Brachialität" und der Wucht verloren geht, sodass man in seinen Angriffen deutlich präziser sein muss um etwas zu treffen. Hier sehe ich, wieder entgegen der Wahrnehmung von Killerkaninchen, das irische Doppel eher als Gewinn als als Störfaktor. War es "früher" noch so, dass stumpfsinniges Reindoppeln durch die lange Doppellatenz sehr lohnenswert war, wird meinem Gefühl nach heute technisch anspruchsvolles und präzises Spiel oft durch den Gewinn des Duells belohnt.
Trotz dieser Veränderungen habe ich nicht das Gefühl, dass Spielstile die auf Block und Konter ausgerichtet sind grundsätzlich einen Nachteil durch die leichten Pompfen bekommen haben. Im Gegenteil, ich habe den Eindruck, dass wer einen Block stellen kann und in der Lage ist aus diesem Block einen schnellen und präzisen Gegenangriff zu setzen, einen deutlichen Vorteil gegenüber Pompfern hat, die nur rumstochern (auch hier ist das irische Doppel für mich eher ein Gewinn). Was sich geändert hat ist lediglich, dass die Pompfe dabei weniger für den Spieler arbeitet, sprich man mehr Eigenanteil an Block und Konter hat, vor allem was die Koordination der Schlag-/Stech-/Blockbewegung hat. Dies sehe ich jedoch als Gewinn und Herausforderung.
Ich habe den Eindruck, dass die Technik vielfältiger geworden ist seit die Pompfen leichter geworden sind. Individueller weil sich neue Möglichkeiten erschließen, die mit schwereren Pompfen nicht möglich waren bzw zu viel Kraft gekostet haben. Vor allem Langpompfe und Q-Tip profitieren davon, seit ca einem Jahr durch Filament und Gurtband auch die Kette. Das macht das Spiel für mich attraktiver und anspruchsvoller; es entstehen neue Herausforderungen, die mich wiederum dazu motivieren, mir selbst neue technische Möglichkeiten zu erschließen, mit denen ich auf diese Herausforderungen reagieren kann. Ich habe nie wirklich etwas anderes als Q-Tip gespielt. Als ich zu meinen Anfangszeiten noch mit einer Pompfe jenseits der 1kg-Grenze gespielt habe hatte ich das Gefühl, dass die technischen Möglichkeiten sehr schnell erschöpft waren und sich dies ohne exorbitantes Krafttraining auch nicht ändern würde. Als ich dann angefangen habe mit leichteren Pompfen zu spielen wurde das anders und je leichter die Pompfe wurde, desto vielfältiger wurden die Möglichkeiten. Und zwar ohne dass ich muskelbepackt wie ein Braunbär bin ;)
Killerkaninchen hat geschrieben:Ich finde diese Entwicklung vorallem deshalb schade, da für mich der technische Fechtaspekt beim Jugger sehr viel vom Reiz des Sports ausgemacht hat.
Was meinst du hiermit genau? Ich persönlich habe nie gefochten und somit nur rudimentär Ahnung davon. Ich habe als ich angefangen habe für die Grundhaltung eine Abwandlung des Fechtschrittes und der Fechthaltung gelernt. So spiele ich bis heute und so bringe ich/bringen wir das auch nach wie vor Neulingen bei. Und viel mehr Parallelen habe ich auch bisher nie zwischen Jugger und Fechten gesehen.

Thema Sicherheit:
Dazu habe ich im Pompfenbau-Forum schon recht ausführlich was geschrieben. Die Kurzfassung: Sicherheit ist nicht primär vom Gewicht oder der Bauphilosophie abhängig, sondern von der Qualität der verwendeten Materialien und von der Genauigkeit und Sorgfalt, die man beim Bau walten lässt. Man muss wissen wie sich die Materialien verhalten und was man bei Verarbeitung und Beanspruchung zu beachten hat, vor allem in puncto Langlebigkeit. Und man muss halt anständig Pompfen bauen können, was aber bei jeder Bauweise Grundvoraussetzung ist.
Ich würde den Sicherheitsbedenken insofern zustimmen, dass der Ultraleicht-Boom dazu einladen könnte an sicherheitsrelevanten Aspekten der Pompfe zugunsten des Gewichts zu sparen. Der Grund dafür liegt aber auch nicht primär beim Leichtbau, sondern bei den Menschen, die so eine Pompfe bauen. Es ist dann Aufgabe der Pompfenchecks, solche Schlampereien auszusortieren. Dieses Problem lässt sich mMn nicht durch Mindestgewichte oder Ähnliches lösen.
Und selbst wenn die Pompfen häufiger brechen ist das für mich kein Argument, da ich mich an keine Situation erinnern kann und mir auch bisher von keiner Situation berichtet wurde, in der von einer gebrochenen Pompfe auf dem Feld eine akute Gefahr ausging. Ist halt nervig für den Spieler und sein Team. Und für die Schiedsrichter, die sich dann an die Regel zum Austausch kaputter Pompfen erinnern müssen :lol:

Thema Chancengleichheit/-gerechtigkeit:
Finde ich ein recht kompliziertes Thema, da etwas auf der Metaebene angesiedelt.
Mir hat schon immer an Jugger gefallen, dass man viele Möglichkeiten zur individuellen Entwicklung eines Spielstils hat und es viele Freiheiten gibt. Man kann sich seinen Spielstil so kreieren, wie er am besten zu einem passt. Dazu gehört auch die Pompfe, die man den eigenen Bedürfnissen und dem eigenen Spielstil anpassen kann. Damit unterschiedet sich Jugger für mich von vielen anderen Sportarten, für die man irgendwie in ein Schema passen muss und wer dieses nicht erfüllt, kann nicht mitmachen. Durch diesen Aspekt der Freiheit/Kreativität ist Jugger meinem Gefühl nach für viele Menschen offen, die sonst fernbleiben würden.
Gäbe es bspw eine Gewichtsbegrenzung für Pompfen (in welche Richtung auch immer) und weitere Restriktionen beim Pompfenbau, würde dies in erster Linie die Vergleichbarkeit fördern, aber Jugger mMn ein ganzes Stückchen langweiliger und grauer machen und vielen Leuten die Möglichkeit nehmen, erfolgreich und erfüllend juggern zu können. Das fände ich schade.
Zumal es ja auch nicht so ist, dass man nichts können muss und nicht mehr trainieren muss um eine leichte Pompfe erfolgreich zu führen. Es ist nach wie vor so, dass talentierte Menschen und solche, die viel Zeit ins Training investieren und sich Gedanken drüber machen, wie sie besser werden können, besser sind und mehr erreichen als solche, die das nicht tun.
Als ich mit Jugger angefangen habe, war ich absolut unsportlich und auch nach viereinhalb Jahren Jugger bin ich niemand, den man im klassischen Sinne als sportlich bezeichnen würde. Dennoch ist es mir gelungen, mich und meine Fähigkeiten in diesem Sport weiterzuentwickeln und dass das auch Menschen wie mir gelingt liegt für mich daran, dass man bspw. seine Pompfe so bauen kann, dass sie für einen selbst optimal spielbar ist. Das ist ein Aspekt am Jugger, den ich nicht missen möchte, der diesen Sport auszeichnet und der mMn durch leichte und individuelle Pompfen begünstigt wird.

Was mir zum Schluss wichtig ist:
Das alles sind meine persönlichen Erfahrungen, die ich in meiner bisherigen Juggerzeit gesammelt habe. Es hat keinen absoluten Wahrheits- oder Missionierungsanspruch. Weder möchte ich erreichen, dass irgendwem verboten wird mit schweren Pompfen zu spielen, noch möchte ich sagen, dass Spieler mit schweren Pompfen prinzipiell schlechter sind als solche mit leichten Pompfe.
Mir geht es darum, Argumente dafür zu liefern, dass leichte Pompfen weder unseren Sport kaputt machen, noch ein erheblicheres Sicherheitsrisiko darstellen als jede andere Pompfe.
"Jugger ist wie Fußball, nur ohne Würfel." - Lukas Podolski

Kontakt Ligakoordinatoren: liga@jugger.org

Benutzeravatar
Timba
Beiträge: 297
Registriert: Mo 30. Jan 2012, 16:39
Position: Kindermädchen

Re: Auswirkungen des Leichtbaus von Pompfen

Beitrag von Timba » Mo 24. Jul 2017, 11:39

Hallo Herr Namensvetter,

das ist schön zusammengefasst und würde ich so unterschreiben.

So im allgemeinen habe ich noch ein paar Kommentare, Ergänzungen, Anekdoten, wasweißich.

Nur weil man mit leichten Pompfen eine andere Technik entwickeln KANN, heißt das nicht dies würde auch jeder tun.
Wir sind beim Unisport und da gibt es schon eine hohe Fluktuation an Spielern. Die Neulinge spielen bei uns solange mit den alten Vollstab-Pompfen bis sie sich was eigenes, leichteres gebaut haben. Manche gewöhnen sich wirklich sofort das Fuchteln an und hören nie damit auf, davon getroffen zu werden kann schon am Ego kratzen. Aber es funktioniert manchmal und ist mMn eine völlig legitime Art und Weise zu spielen.
Die Hochgewichtfraktion hat durchaus recht wenn sie behauptet es gäbe durch leichtere Pompfen Leute die fuchteln. Die Frage ist eher ob das wirklich so schlimm ist.

Technik ist auch mit leichten Pompfen durchaus wichtig. Blocken hat vielleicht nicht mehr den Stellenwert wie es früher war, aber geschätzt 1/3 bis 1/2 aller Angriffe werden sowohl von mir als auch von einigen Teamkollegen geblockt.

Die Standardisierung von Pompfen nützt nur den Spielern die zufälligerweise gerade die Größe und Statur haben zu denen es gerade passt. Jedenfalls habe ich noch nie gehört, dass ein 1,50m/50kg Spieler nach schwerere Pompfen gefordert hätte. Das tun immer nur die die davon keine Nachteile hätten. Papier ist völlig OP, sagte der Stein, Schere ginge aber klar.
Wirklich inkludierend kann Jugger aber nur sein wenn jeder seine Stärken individuell einbringen kann und darf, sowohl in der Gruppe als auch im Spiel. Dazu sehe ich Jugger lieber als Breitensport, denn als wettkampforientiert. Wobei Turniere natürlich auch Spaß machen und ihre Daseinsberechtigung haben.
This man doesn't age. He just gets angrier.

Benutzeravatar
Magnus
Beiträge: 94
Registriert: Mo 12. Mai 2014, 09:45
Stadt: Rotenburg an der Fulda
Team: Skull!
Position: Kette/Stab/Läufer
Wohnort: Bebra

Re: Auswirkungen des Leichtbaus von Pompfen

Beitrag von Magnus » Mo 24. Jul 2017, 16:26

+1 Tim

Meine Ergänzungen:
Thema Technik
Ich finde, dass durch die Leichtbau - Pompfen Jugger nicht nur schneller, sondern auch ausgefeilter wurde. Mit einer leichten Pompfe schnell, sicher und dann noch als erstes einen Treffer zu setzen empfinde ich als deutlich anspruchsvoller, als mit schwereren Pompfen. Ja, es hat sich vom Blocken zum Angriff verschoben, aber mMm kommt durch das "wilde Fuchteln" erst Fechtelemente zu tragen. Es vermag von außen aussehen wie Gefuchtel, ist es aber nicht. Kenne das von mir selbst. Ich weis ganz genau, wo ich gerade meinen Stab hinbewege und drehe. Ohne Technik und Beinarbeit ginge da nichts.
Aber es wird ja auch immer noch geblockt, nur nicht mehr so "mächtig" wie früher. Blocken besteht nunmal nicht nur aus einem Druckduell, sondern ist jetzt viel schneller geworden. Eventuell passt hier Parrieren besser, aber letztlich ist es das selbe: Abwehren eines gegnerischen Angriffes.

Thema Sicherheit
Hier ist mir nicht nur die Pompfe wichtig, sondern auch der Umgang damit. Eine Leichtbau-Pompfe ist, wenn sie gut gebaut ist, genauso sicher, wie die schwerere Variante. Aber abgesehen davon, machen sie mMm das gesamte Spiel sicherer, da "Verletzungen" in Form von Hämatomen etc. dadurch selten zustande kommen. Die Treffer sind dadurch nun mal weicher geworden und es wird deutlich weniger geholzt um schnell einen Treffer zu setzen. Selbiges gilt gerade bei Filamentketten. Egal wo man die Kettenglieder abbekommen hat, es war mehr oder minder schmerzhaft. Wenn man eine Filamentkette (deren "Glieder") abbekommt... joa. Ist das jetzt nicht so schlimm. Und ich würde lieber eine Wicklung am Hals von einer Filamentkette haben, als von einer Ketten-Kette. Nicht nur, dass bei Ketten-Ketten mehr Wucht dahinter ist aufgrund der höheren Masse, sondern mögliche Quetschungen aufgrund der Glieder selbst sind nicht gerade schön.
Coffee ... have another cup & you can sleep when you´re dead!

Benutzeravatar
Siggi
Beiträge: 997
Registriert: So 16. Nov 2008, 23:56
Stadt: Hamburg
Team: Torpedo Irgendwas
Position: Eckfahne
Wohnort: Hamburg

Re: Auswirkungen des Leichtbaus von Pompfen

Beitrag von Siggi » Mi 26. Jul 2017, 12:03

Ich habe ja nun die Ganze Bandbreite von Ultraschwer bis hin zu den Leichtbaupompfen (LBP) mitgemacht. Rein "historisch": wir Hamburger haben uns früher königlich amüsiert über die alten Berliner Pompfen mit fetter Polsterung + Latex drauf; wir hatten LARPstäbe und waren damit einfach viel schneller in unseren Angriffen und Bewegungen. Auch da war also schon ein technischer Unterschied vorhanden.
Der Unterschied Rattan - Voll-GFK - Rohr/großer Durchmesser - Rohr/kleiner Durchmesser ist stufenweise voll nachvollziehbar. (Wenn man mal mit so einem Rattanpaddel gespielt hat fühlt sich die LBP super und sauschnell an.) Ab wann der Leichtbau marginal wird kann ich nicht abschätzen. Ob man an 20g rummäkeln muß und da einen wirklichen Unterschied bemerkt wage ich zu bezweifeln.
Bei mir persönlich (Stab) liegt die spielerische Grenze zwischen Voll-GFK und Rohr. Gegen einen guten Gegner mit Rohrpompfe sehe ich kein Land wenn ich einen Voll-GFK Stab führe. Das liegt denke ich nicht nur am Gewicht sondern auch am Handling. Mit Rohren jeder Art ist mir es dann "relativ" egal.

Vielleicht sollte man es mit schwerer Säbel vs. Florett vergleichen.
Generell sind ganz andere Bewegungen mit den LBP möglich. Ich denke vor allem die Stichpompfen profitieren davon, da sie wesentlich schneller werden.
Die Geschwindigkeit macht effektives Bocken wesentlich schwieriger an nicht unmöglich. Ich denke auch, daß Parieren der bessere Ausdruck ist. Mittlerweile ist Distanz und Antizipieren entscheidender.
Leider (und da gebe ich dem Kaninchen recht) belohnt eine LBP das Fuchteln in größerem Maße. Wer mit einer schweren Pompfe fuchtelt ist offen bzw. überreißt schnell. Dann ist er runter, Boing. Mit einer schweren Pompfe musst du eben einen sauberen Treffer setzen, sonst kommt das Echo.Das setzt dann auch einen sauberen Stil voraus.
Die Angriffsfrequenz bei LBP ist wesentlich höher, gleichzeitig wird der eigene Fehler nicht mehr so stark bestraft. Ergo lohnt sich das Gefuchtel eher.
Im Umkehrschluß heißt es allerdings nicht, daß man nicht an seiner Technik feilen kann. Ein unsauberer Stil bringt einen Spieler immer nur bis zu einem gewissen Level, dann ist Schluß. Dieses Level liegt allerdings höher als mit den schweren Pompfen und ich glaube das nervt einige ältere Spieler; es ist anstrengend gegen Leute zu spielen die nicht wissen was sie tun. Und nervig dann auch noch erwischt zu werden.

Ein großes Pro der LBP ist sicherlich a) die Nutzung durch zierlichere Personen, b) der minimierte Einschlag. Rattan war z.B. sauschwer, konnte nur von kräftigen Leuten ordentlich geführt werden und ja, damit konnte man Jemanden ausknocken.

Noch was zu Filament-/Gurtbandketten: auch da sehe ich den großen Vorteil in weniger Schmerzen. Schlimme Wicklungen habe ich (noch) nicht mitgekriegt. Das war mit Ketten aber auch schon immer drin, so what. War mir Bauchgrummeln macht: die Dinger sind so schnell! Bei Jonas (Setanta) sah das aus als würde er Jojo spielen.
Achtung: Kommentare können Spuren von Satire & Ironie enthalten. Zynismus nicht ausgeschlossen.

Rob
Beiträge: 180
Registriert: Mi 9. Mär 2011, 02:28
Stadt: Berlin
Team: Sonnenwende
Position: Kurzpompfe/Schild

Re: Auswirkungen des Leichtbaus von Pompfen

Beitrag von Rob » Di 22. Aug 2017, 13:25

Ein unsauberer Stil bringt einen Spieler immer nur bis zu einem gewissen Level, dann ist Schluß. Dieses Level liegt allerdings höher als mit den schweren Pompfen und ich glaube das nervt einige ältere Spieler; es ist anstrengend gegen Leute zu spielen die nicht wissen was sie tun. Und nervig dann auch noch erwischt zu werden.
+1, speziell zu diesem Zitat, aber auch generell zu dem was bisher hier gesagt wurde

Ich habe bei Spielern die schon länger dabei sind, Abseits von 'Spaßrunden', noch von niemandem gesehen das er Fuchtelt. Das ist zu 95%+ ein Phänomen welches bei Neulingen aufkommt, die sich ausprobieren, noch keine effektiveren Techniken erlernt haben und durch Fuchteln doch überraschende Treffer landen können.

@ Sicherheit:
Hmm, Jain.
Leichtbauweise verleitet schon häufiger zur zu starken Reduktion: Zu wenig Tape, Kern zu sehr gekürzt, zu wenig Kleber, zu schwacher Kern/Baumbuskern...

Wenn eine LBP gut gebaut ist ist sie eher Sicherer als eine Schwere. Aber es gibt doch auch mehr Ausreißer nach unten. Und DARAUF muss beim Pompfencheck schon verstärkt wert gelegt werden.

Just my 2 ct.

NeuerLauchGeselle
Beiträge: 25
Registriert: Mo 7. Mai 2018, 21:00
Stadt: Lauffen am Neckar
Team: NLG
Position: Alles ein bisschen, nix so richtig

Re: Auswirkungen des Leichtbaus von Pompfen

Beitrag von NeuerLauchGeselle » So 2. Sep 2018, 08:00

Ich habe inzwischen auch alles an Bauweisen gespielt (von 1,5 kg GFK Vollstab bis 250g Carbonkern) und glaube nicht, dass das Spiel dadurch weniger technisch wird. Der Fokus in der Spieltechnik verschiebt sich halt, man muss schneller sein. Aber trotzdem ist ein sehr technisches Spiel möglich. Und auch zu den Blocks kann ich sagen, dass sich mit den LBP vor allem im Duell Stab vs Stab immernoch viele Blocksituationen ergeben. Natürlich weniger druckvolle Blocks als bei ner schweren Pompfe, aber ich denke das ist logisch.
Mir ist ausserdem aufgefallen dass kritische Treffer an sensiblen Stellen nicht mehr so weh tun wie sie das vorher teilweise haben. Wenn mir jemand mit einer LBP auf den Kopf haut (was durchaus vorkommen kann) dröhnt mir danach wenigstens nicht 20 min der Schädel, im Gegensatz zu einem gut platzierten "wuchtigen" mit einer schweren Pompfe.
Ich für meinen Teil behaupte, dass es von der grundsätzlichen Spielweise des einzelnen abhängt, ob es sich lohnt, viel Geld in superleichte Pompfen zu investieren. Jemand, der ein auf Blocks ausgelegtes Spiel hat sollte dabei dann doch eher bei den GFK Rohren bleiben um ein paar 100 Gramm mehr in der hand zu haben. Für Spieler, die "nach vorne gehen" würde ich es absolut empfehlen, ein paar öre mehr in die hand zu nehmen und in gutes Carbon zu investieren.
Bei den Schilden ist das so eine Sache. Leichte Schilde (aus Epp oder ähnlichem Material) sind sehr viel leichter als Holzbasis-schilde (bei ähnlicher Bauweise gewichtsunterschied von über 800 g). Dadurch verliert das Schild vor allem in der vertikalen, das heißt wenn auf den unteren Rand des Schilds gestochen/geschlagen wird an Stabilität. Allerdings sind die Blocks in alle Richtungen um ein vielfaches schneller, was diesen Nachteil für mich quasi ausgleicht. Und natürlich besteht eine geringere Verletzungsgefahr, da Epp nunmal biegsamer ist als Holz;)
Für die Kette ist die Entwicklung zur LBP vielleicht die größte Veränderung. Von den 8cm Plastikglied-Ketten zu den aktuellen Gurt-/Filament- oder Gurtschlauchketten. Hier kann ich mich meinem Vorredner anschließen, eine Wicklung von einer Gliedkette verursacht wesentlich mehr Schmerzen als eine Gurtkette(vorausgesetzt der Spieler weiß, was er da macht und zieht nicht an einer gewickelten Kette). Aber für das reine Spiel ist es mMn wesentlich angenehmer, die Belastung auf die eigenen Finger ist geringer und das Spiel wird wesentlich agiler und schneller (Wunder was, leichte Pompfen, schnelleres Spiel). Für den Anfang würde ich trotzdem jedem empfehlen mit den etwas schwereren pompfen einzusteigen.
So, das waren meine frühmorgendlichen Gedanken zu dem Thema, jetzt Mal ab zum Training
Grüßle aus'm Süden
Manuel
Wenn man neben einem Friedhof trainiert, sind Verletzungen beim Training nicht so schlimm.

Nikolay
Beiträge: 11
Registriert: Do 14. Sep 2017, 04:49
Team: 7Sins
Position: Kette, Stab, Langpompfe, Qwik
Kontaktdaten:

Re: Auswirkungen des Leichtbaus von Pompfen

Beitrag von Nikolay » Mi 5. Sep 2018, 00:20

Ich finde die Entwicklung super.
Der Umstieg auf leichtere Bauweise hat meine Juggerspielstyl deutlich verbessert.
Bei mir hat der Umstieg recht lange gedauert, da Carbon Rohre nicht gerade günstig sind und es eine relativ große Investition für mich war.

Die Entwicklung von der Gliederkette zur "deutschen Einheitskette" aus Gurtschlauch ist die bei weitem beste Entwicklung was es bei den Pompfen gegeben hat. Diese macht die Kette bei weiten sicherer. Als normaler Pompfer hat man auch nicht mehr Angst vor schmerzhaften Kettentreffern, was gut für Anfänger ist.
Boybändchen

Benutzeravatar
Ein Uhu
Beiträge: 1451
Registriert: Mo 17. Nov 2008, 17:02
Stadt: The Home of rrriktig Metal
Team: Falco jugger/JF Akzipiter n.n.
Position: Schild. Admin Wiki & Int. Juggerblog
Kontaktdaten:

Re: Auswirkungen des Leichtbaus von Pompfen

Beitrag von Ein Uhu » Mi 5. Sep 2018, 19:28

Ich war den Leichtbaupompfen kritisch gegenüber eingestellt. Diese Ansicht habe ich revidiert, solange ...

... die Leute nicht anfangen, Sicherheit gegen Gewicht zu tauschen. Also beispielsweise schlechtbefestigte oder zu dünne/weiche Stechspitzen.

Ansonsten habe ich schon LBPs in der Hand gehabt, die nach meinem Eindruck einfach über die Stränge geschlagen haben. Die waren so leicht, dass ich mir damit geradezu lächerlich vorgekommen bin. So nach dem Motto, ich und mein Wedel aus Zeitungspapier.
Anekdote: Ich hatte schon 2008 eine Ultraleicht-Kurzpompfe aus dünnem Bambus, Schutzrohr und Isomatte gebaut, was dazu führte, dass manch ein Gegner die Treffer schlicht nicht mehr spürte ...
Ich halte einen gesunden Mittelweg (wie so oft in der Welt) für die beste Lösung.

Von der Effektivität her erinnert mich das im Spiel häufig an mein früheres Florettfechten: Wenn ich getroffen werde, dann liegt das viel öfter einfach an einem technischen Fehler meinerseits, wie falscher Einschätzung des Abstands zum Gegner, offener Deckung, bloody Langsamkeit und dergleichen, als einer "überlegenen generischen Pompfe".
Und bei manchen Anfängern lassen sich Leichtbaupompfen wesentlich leichter fangen, blockieren und die Parade durchbrechen.

Auf der anderen Seite ist es jetzt endlich möglich, wenigstens experimentell beispielsweise Aikido Jo-Techniken mit dem Q-Tip auszuprobieren (siehe dieses video)
Das ging früher allein wegen dem Gewicht der beiden Enden und entsprechender Hebelwirkung/Trägheit einfach nicht.

Summa summarum bin ich noch nicht zu einem abschließenden Urteil für ich selbst gekommen, außer, dass Ultraleichtpompfen albern sind.

Um so mehr danke für diesen spannenden Thread! :hula:
Foren–Moderator | Huderte 2007-2012 das Juggerregelwerk
Uhus Jugger-Videotutorials | -Archiv: Internationale Juggerregelwerke | Salute of the Jugger-Filmanalyse

Felix2.0
Beiträge: 96
Registriert: Mi 2. Mär 2016, 19:12
Stadt: Halle
Team: Anima Equorum
Position: Langpompfe, Läufer, Stab, Trainer

Re: Auswirkungen des Leichtbaus von Pompfen

Beitrag von Felix2.0 » So 16. Sep 2018, 09:08

Die Leichtbauweise hat eigentlich fast nur Vorteile, welche hier auch bereits angebracht wurden. Die Spürbarkeit der Treffer ist natürlich ein Nachteil, kann man aber zum Teil trainieren.

Ich möchte einen neuen Punkt zu diesem Thema einbringen, die Umweltfreundlichkeit.
Falls es ein Extratopic sein soll, dann bitte ich den Forenadmin entsprechend zu handeln :)

Ich habe den Wandel von "schweren" Pompfen zu "ultraleicht" Pompfen über die vielen Jahre miterlebt und mir ist aufgefallen wie häufig einige Spieler ihre Pompfe neu bauen. Vor 7 Jahren konnte man mit der alten Bauweise ein Pompfe herstellen die ohne eine intensive Behandlung über eine Season halten konnte und darüber hinaus.

Auf den vergangen Turnieren habe ich mich mit Spielern unterhalten welche mir nun sagten, sie bauen ihre Pompfe nach jedem Turnier neu. Meißt wird da nun die Poolnudel und Tape ersetzt. Es geht auch relativ einfach und schnell, doch leider bleibt dabei einfach immer mehr Müll übrig.

Könnten wir dafür eine Lösung finden?

Gibt es umweltschonendes Material?
Bambus ist abbaubar.

Wie seht Ihr das?

Antworten

Zurück zu „Allgemeines“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast