Awareness-Teams

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Britta
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Awareness-Teams

Beitrag von Britta » Fr 25. Sep 2020, 11:03

Zu Beginn der Jugger-Saison 2019 gab es zum ersten Mal auf dem Kieler Nordderby ein Awareness-Team. Immer wieder wurde mir danach die Frage gestellt, ob oder warum das denn überhaupt notwendig sei. Als Antwort auf diese Frage möchte ich einige meiner Erfahrungen teilen.

Mit knapp 16 Jahren habe ich angefangen, Jugger zu spielen. In meinen ersten zwei Jahren war ich nur selten auf Turnieren. Aber schon auf meinem ersten Turnier wurde mir von einem ca. doppelt so alten Spieler, nachdem er mich während des ganzen Turniers angebaggert hatte, gesagt, dass ich aber mal schnell 18 werden solle.
Nach meinem zweiten Turnier bekam ich von einem Spieler verschiedene Sex-Fantasien und Sex-Geschichten zugeschickt und wurde immer wieder nach Nacktfotos gefragt.

2016 war dann meine erste richtige Turniersaison. Spontan bin ich mit auf das Turnier in Schweden gefahren, das damals noch mit einem Metall-Festival verbunden war. Kaum dort angekommen und ein paar neue Jugger-Spieler kennengelernt, haben zwei von ihnen angefangen, mich gleichzeitig während eines Konzerts am Hintern und an den Brüsten anzugrabschen. Auch nachdem ich versucht hatte, die Hände wegzuschieben, haben sie nicht aufgehört. Einem der beiden ist irgendwann aufgefallen, dass das vielleicht nicht so cool war. Nach zwei Jahren.
Auch auf dem Turnier in Schweden in den folgenden Jahren habe ich negative Erfahrungen gemacht. Bei einem Gespräch mit einem Jugger-Spieler machten wir aus einem Witz heraus einen Läuferkampf. Hinterher kam die Bemerkung, dass er das nur gemacht hätte, weil er, nachdem er mich in der Sauna gesehen hatte, mal meine Brüste berühren wollte. Von anderen Spielerinnen habe ich gehört, dass sie in der Sauna von Männern ungefragt angefasst wurden. Beim nächsten Mal auf dem Turnier in Schweden werde ich mich in der Sauna sehr wahrscheinlich weniger wohlfühlen.

Hände am Po oder an den Brüsten, eine Hand, die beim Umarmen wiederholt gerne mal „aus Versehen“ über den Hintern rutscht, Hände, die besitzergreifend auf dem Oberschenkel liegen und langsam hochwandern oder penetrante Anmachen habe ich von Anfang an immer wieder erlebt, egal ob beim Ausruhen, beim Zuschauen der Spiele am Spielfeldrand oder abends beim gemeinsamen Grillen und Bier trinken.

Eine für mich sehr unangenehme Situation hatte ich mit einem deutlich älteren, schwereren und stärkerem Spieler, der sich auf mich setzte und mich am Boden hielt. Was ich auch versuchte, ich bin alleine nicht weggekommen. Er sagte mir, ich müsste nur sagen, dass ich aufgebe. Vielleicht klingt das für andere nicht so schlimm, wie es für mich war und vielleicht war es alles nur als Spaß gemeint. Aber für mich war es kein schönes Erlebnis, zu erfahren, dass ich körperlich in einem Ernstfall keine Chance hätte, wegzukommen. Vielleicht hätte ich auch einfach sagen können, dass ich aufgebe, aber auch das habe ich in dem Moment nicht geschafft. Die Aussage, dass ich nur etwas sagen müsse, damit er aufhören würde, hatte ich schon einmal in einem anderen Kontext gehört, als ich im Alter von neun Jahren zum ersten Mal sexuell übergriffigem Verhalten ausgesetzt war. Schon damals habe ich es nicht geschafft, mich zu wehren. Neben der Situation an sich ist auch dies für mich sehr belastend. Ich mache mir selbst Vorwürfe dafür, dass ich es nicht schaffe, den Personen sofort die Rückmeldung zu geben, dass das nicht in Ordnung ist. Hätte es damals ein Awareness-Team gegeben, hätte ich mithilfe anderer Personen möglicherweise besser damit umgehen können. So bin ich alleine weinend schlafen gegangen.

Die Jugger-Community wird oft als ein schöner bunter Haufen dargestellt, in dem sich alle gern haben. Und zum Großteil stimmt das auch, aber wie überall in der Gesellschaft findet auch hier übergriffiges Verhalten statt. Ich hoffe, dass die Awareness-Teams dabei helfen, auf das Problem aufmerksam zu machen. Die Betroffenen sollen dadurch möglichst niedrigschwellig Unterstützung bekommen und nicht alleine damit klarkommen müssen. Für mich war es immer schwer, diese Situationen anzusprechen, da ich eigentlich einfach ein schönes Turnier genießen wollte, Konflikte mit Menschen, die ich eigentlich mochte, vermeiden wollte und Angst hatte, als die langweilige, prüde Spielverderberin dazustehen.

Awareness-Teams können außerdem ein klares Zeichen dafür setzen, dass derartiges Verhalten nicht mehr toleriert wird.
Ich hoffe, dass es sich in Zukunft etablieren wird, dass es Awareness-Teams oder etwas Ähnliches auf allen Turnieren geben wird.

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Re: Awareness-Teams

Beitrag von Ein Uhu » Fr 25. Sep 2020, 11:31

Danke für den Mut, Deine Erfahrungen hier mit uns zu teilen! Das macht mich ehrlich gesagt durchaus betroffen.
Ich hatte von anderer Seite zwar gehört, dass unangenehme Situationen entstanden waren (daher fand ich dann auch die entsprechende Ansage bei einem Turnierbeginn wichtig), aber so gebündelt liest sich das noch einmal deutlich schwerwiegender. Und es ist, unabhängig von der Intensität, eben kein Einzelfall.

Das geschilderte Verhalten hat meines Erachtens auf unseren Turnieren keinen Platz. Nicht nur, weil es der Gemeinschaft insgesamt schadet, sondern weil der gegenseitige Respekt gerade bei uns eine Grundvoraussetzung ist. Schade, ich hätte gehofft, dass das selbstverständlich ist.

In sofern ist die Möglichkeit, sich an Ansprechpartner in solchen Fällen zu wenden (wie auch immer die bezeichnet werden) offenbar leider sehr wichtig. Idealerweise sollte es eine selbstverständliche Einrichtung sein, die mit der Organisation eines Events einfach mit berücksichtigt und bei Begrüßung erwähnt wird.

EDIT: Ich denke, ich werde das Thema für die Juggerkonfabulation auf der WCC nächstes Jahr vorschlagen. Ist ja auch international relevant.

Kinder, Kinder ...

Eine Bitte aus der Moderatorenecke zu einer Sache, die auch selbstverständlich sein sollte und es in diesem Forum erfreulicherweise auch überwiegend ist:
Bleibt im Folgenden bitte sachlich, auch wenn das Thema Euch nahegeht. Mit Emotionen ist keinem gedient. Danke!
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Re: Awareness-Teams

Beitrag von Antiqui » Fr 25. Sep 2020, 17:48

Auch von mir Respekt, das du den Mut hast dich uns mitzuteilen.

Tatsächlich ist mir die Sache mit "schnell 18 werde" schon zu Ohren gekommen. Das der Gegenüber schon über 30 war wusste ich noch nicht.

Ich finde es als Mann beschämend das ein solches verhalten anscheinend für viele "normal" ist. Nach deiner erzählung bin ich vollends dafür, auf jedem Turnier ein Awarness Team einzusetzen, und rigoros jeden der mit solchen verhaltensweisen auffällt vom Turnier auszuchließen.

Leider musste ich auch bei Rollenspiel Conventions von vermehrten belästigungen hören. Und werde auf der nächsten Con in Kaiserslautern auch ein Awarnessteam einsetzen.

Ansonsten stehe ich gern zur verfügung um mich dazwischenzustellen wenn jemand hilfe braucht.
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Re: Awareness-Teams

Beitrag von Miripiri » Sa 26. Sep 2020, 22:32

Hallo Britta,
das ist ziemlich übel, was du bisher schon alles erleiden musstest. Das entspricht nicht dem Ideal eines offenen Juggerumfeldes.

Unsere Position zu diesen und allen anderen Vorfällen ist ganz klar. Sexistische Übegriffe haben in Jugger und auch sonst nirgendwo eine Berechtigung und wir haben keinen Bock auf solches Verhalten. Wir stehen solidarisch mit jeder Person, die von solchen Übergriffen betroffen ist. Daher finden wir es auch eine sehr gute Idee Awarnessteams auf Turnieren zu etablieren.

Noch besser wäre es, wenn bereits das Team selbst bei übergriffigem Verhalten eigener Teammitglieder eingreift und Verantwortung übernimmt.

Danke, dass du das so öffentlich teilst, das hilft nicht nur anderen Betroffenen, sondern der gesamten Community, dieses Problem gemeinsam zu stemmen.

In diesem Sinne: Sexisten ins Aus jagen. Für eine emanzipatorische Jugger-Community.
Piri und Jakob für die Piranhas
Einfach schwimmen.

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Re: Awareness-Teams

Beitrag von Linus » So 27. Sep 2020, 00:13

Danke dir für diese notwendige und schmerzhafte Sensibilisierung!
Ich bin nicht eigentlich überrascht, dass dieses Gesamt-Gesellschaftsproblem auch im "schönen bunten Haufen" Jugger vorhanden ist. Es war wohl dennoch genügend Naivität bei mir vorhanden, um nicht aktiv nach Problemen zu suchen.

Danke auch für Awareness-Teams!
Das ist für mich auch die eigene Awareness, dass es offensichtlich nötig ist, aktiv dazu beizutragen, dass Menschen frühzeitig und rechtzeitig die richtigen Grenzen in ihrem Verhalten kennenlernen.

Ich habe viele traurige, besorgte, wütende Gedanken, die ich dazu festhalten möchte. Aber lange Texte von mir helfen hier nicht. Awareness-Teams tun das und ich versuche das nun auch.
Danke dir Britta

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lukas11
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Re: Awareness-Teams

Beitrag von lukas11 » Mo 28. Sep 2020, 00:13

Ich stelle es mir sehr schwierig vor, öffentlich über solche sexuellen Belästigungen und sie in dir auslösen zu schreiben.
Gleichzeitig finde ich es extrem wertvoll, diese Art von Information öffentlich zugänglich zu haben - Danke, dass du das so öffentlich kommunizierst, und an dem Thema dran bleibst!

Die Position meines Teams dazu ist:

"Sexuell übergriffiges Verhalten wie hier beschrieben darf keinen Platz in der Jugger-Community haben. Da es leider auftritt, müssen wir aktiv dagegen vorgehen. Die Aufgabe, Übergriffe zu verhindern, obliegt nicht den Betroffenen, sondern allen in der Jugger-Community. Wir setzen uns deshalb als Team dafür ein, dass solche Belästigungen im Juggerumfeld nicht mehr vorkommen, und werden den Betroffenen helfen so gut wir können.
Zu diesem Zweck wollen wir strukturelle und institutionelle Veränderungen anstoßen und unterstützen:

Den Vorschlag, auf allen Turnieren Awareness-Teams einzusetzen, unterstützen wir.
Wir werden in Zukunft sicherstellen, dass es auf allen von uns organisierten Turnieren ein Awareness-Team gibt.

Da wir gerne, mindestens auf den Turnieren zu denen wir fahren, Maßnahmen gegen Übergriffe getroffen sähen, bieten wir hier nochmal unsere Mithilfe an ein Awareness-Team zu organisieren (die ja aus der gesamten Community kommen können).
So wollen wir sicherstellen, dass auf allen Turnieren die wir besuchen eine Ansprechstelle im Falle sexueller Übergriffe vorhanden ist.

Außerdem sind wir dabei teamintern kurzfristig eine Position für eine Awareness-Ansprechperson zu schaffen, die ständig zur Verfügung steht.
Unser Ziel ist eine Community, in der sich alle sicher fühlen. Da auch außerhalb von Turnieren, in Teams und unter Freunden, übergriffiges Verhalten stattfindet, hoffen wir den Betroffenen damit zusätzlich helfen zu können und ein klares Zeichen gegen solches Verhalten zu setzen.

Rigor Mortis"

Ralph
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Re: Awareness-Teams

Beitrag von Ralph » Mi 30. Sep 2020, 14:37

Alle *zonenkinder und Juggerjena sind dankbar, dass das Thema (wieder) auf der Agenda erscheint, und möchten dazu Stellung nehmen:
Die *zonenkinder und alle mit Jugger in Jena assoziierten möchten dir, Britta, an erster Stelle dafür danken, dass du so mutig und offen mit deinen Erlebnissen umgehst und damit auf einen unschönen Teil unseres Sports aufmerksam machst, der vielen nicht so bewusst war und mehr Aufmerksamkeit verdient. Viele von uns waren von dem Ausmaß, in dem du übergriffiges Verhalten auf Juggerturnieren erfahren hast, überrascht und schockiert. Wir verurteilen als Team und als Gemeinschaft jede Form von Sexismus und solchem Verhalten, sei es im Sport oder anderswo. Wir wollen aktiv dagegen vorgehen und dazu beitragen, dass solche Vorfälle künftig nicht mehr im Rahmen des Juggersports passieren. Und wir möchten Betroffenen dabei helfen, auf solche Vorfälle zu reagieren und mit ihnen umzugehen.

Solidarität darf unserer Meinung nach aber nicht in theoretischen Stellungnahmen enden. Awareness-Teams sind ein richtiger und wichtiger Schritt! Die Vielzahl an geschilderten Vorfälle in den letzten Jahren zeigt aber, dass es darüber hinaus notwendig ist, nachhaltige Strukturen aufzubauen, um explizit sexistischer Kultur, anderweitig diskriminierenden Verhalten sowie Übergriffigkeit zu begegnen.

Daher sind uns 3 Punkte besonders wichtig:

Punkt 1: Während wir uns über jedes Awarenessteam, das durch Turnierausrichtende gestellt wird, ausdrücklich freuen, sind wir der Meinung, dass es nicht alleine in der Verantwortung der jeweiligen Gastgebenden liegen sollte, ein entsprechendes Konzept aufzustellen und umzusetzen. Wir wünschen uns daher, dass die German Jugger League, die für die Organisation des sportlichen Juggerwettbewerbs in Form der Liga und Meisterschaft verantwortlich ist, in Zusammenarbeit mit der Community Awareness-Leitlinien erarbeitet.

Diese Leitlinien sollten dafür sorgen, dass auf der Deutschen Meisterschaft und während der durch die Regionen organisierten Qualifikationswettkämpfe ein einheitliches Vorgehen herrscht, wie präventiv solche Übergriffe verhindert werden und wie mit entsprechenden Vorfällen umzugehen ist. Dazu kann z.B. gehören: Die Aufstellung und Mindestanforderungen von/an Awaresnessteams auf den entsprechenden Veranstaltungen, die Erreichbarkeit von diesen durch Betroffene, einheitliche Sanktionen bei Vorfällen, und weiteres.

Damit einhergehend wünschen wir uns auch, dass die German Jugger League in Zusammenarbeit mit der Community einen “Code of Conduct” erarbeitet, der als Grundlage für den gegenseitigen Umgang auf und neben dem Feld dient. In diesem sollen insbesondere sportspezifische Situationen (Begrüßung, Qwikduelle, etc.) adressiert werden, um den sportlichen Wettkampf mit achtsamen und diskriminierungsarmen Umgang untereinander zu verknüpfen und so auch eine weitere Grundlage für gelingenden gemischtgeschlechtlichen Sport zu legen.

Natürlich können diese Leitlinien dann auch als Vorlage für weitere Wettbewerbe und Turniere genutzt werden. Durch die Führungsrolle der German Jugger League möchten wir aber unterstreichen, dass sportlich-kompetitiver Wettbewerb nicht ohne Verantwortung für das soziale Miteinander und die Achtsamkeit jedem*r Einzelnen gegenüber während dieses Wettbewerbs gedacht werden kann.

Punkt 2: Zusätzlich sehen wir die Verantwortung nicht nur bei der Liga, sondern auch den Teams und Turnierausrichtenden. Während die Leitlinien der German Jugger League für einheitliche Standards sorgen können, obliegt es jedem Turnierausrichtendem selbst, robuste und nachhaltige Strukturen zu schaffen, um solchem Verhalten auf den eigenen Veranstaltungen vorzubeugen und wirksam begegnen zu können. Wir wünschen uns, dass nicht nur achtsamer Umgang miteinander, sondern auch der Einsatz von Awareness-Teams zur Selbstverständlichkeit werden und wollen in Zukunft nicht mehr an Turnieren oder Spieltagen teilnehmen, auf denen die Notwendigkeit dazu nicht ernst genommen oder keine Awareness-Teams aufgestellt werden. Gerne bieten wir für die Umsetzung Unterstützung an..

Punkt 3: Wir möchten alle Teams/Vereine/Abteilungen/Spielgemeinschaften/Juggerprojekte dazu aufrufen, nicht nur im Rahmen von Turnieren oder der Interaktion mit anderen Teams/etc. auf Sexismus und übergriffiges Verhalten zu achten, sondern insbesondere auch in den eigenen Reihen. Die Vergangenheit (außerhalb, aber auch innerhalb des Juggersports) hat gezeigt, dass vor allem Vereinsstrukturen, formelle oder informelle Hierarchien im Rahmen des Sports anfällig sind, Druck und Zwänge zu erzeugen, die vielen nicht bewusst sind, die aber schon ungewollt zu übergriffigem Verhalten führen können oder im schlimmsten Fall bewusst für solches ausgenutzt werden. Das kann im Training, bei außersportlichen Aktivitäten oder im Jugendtraining der Fall sein. Wir möchten daher an alle appellieren, ein sensibles Auge nach Innen zu richten und die Annahme “bei uns kann es so etwas nicht geben” aktiv zu hinterfragen. Bitte richtet auch bei euch niedrigschwellige Strukturen ein, die frühzeitig Alarm schlagen können und Betroffenen einen einfachen, bestenfalls anonymen Anlaufpunkt des Vertrauens bieten, um auf so etwas aufmerksam zu machen. Diskutiert die Problematik mit all euren Mitgliedern und einigt euch auf ein gemeinsames Leitbild, das als Konsens für den gegenseitigen Umgang miteinander dient. Denn nur, wenn wir eine achtsame Kultur innerhalb unserer lokalen Gemeinschaften pflegen, können wir sie auch auf Turnieren und woanders leben.

Wir sind bereit, diesen Prozess aktiv mitzugestalten und auch bei uns selbst fortzuführen. Auch wir sind nicht frei von sexistischen Einstellungen, diskriminierendem Handeln und unachtsamem Verhalten. Um proaktiv die aktuelle Situation zu verbessern setzen wir uns auf Veranstaltungen, im Training und auch außerhalb für praktische Awareness-Arbeit ein. Desweiteren möchten wir einen Beitrag zur Bildungsarbeit in der Community leisten und erarbeiten ein Konzept für Awareness-Workshops, die sowohl digital, als auch an Turnierabenden stattfinden können. Gegen Sexismus! Gegen übergriffiges Verhalten! Für einen achtsamen und fairen Umgang miteinander!

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Re: Awareness-Teams

Beitrag von Ein Uhu » Mo 5. Okt 2020, 09:47

Was mich freuen würde, wäre, wenn es keiner "Pflicht" für die Etablierung solcher Teams bedürfte, sondern sich das Ganze von selbst etablieren würde. Nicht nur, dass damit die typisch deutsche "Vorschrifterei" und die Liebe zum Zwang vermieden würde; auch würde es für die Stärke unserer Gemeinschaft sprechen. Eine freiwillige Einsicht ist wesentlich nachhaltiger (gerade in einem Bereich wie diesem) als eine Vorschrift.
Cancel Culture- mäßigen Boykott, der oft simplifizierend, oft Fronten aufreißend und somit gegen Einsicht und Austausch wirkt, halte ich für keine Lösung, wohl aber das persönliche Herantreten an Veranstalter, (falls und) warum sie keine solchen Teams haben (wollen/können?).

Manche mögen unken, "freiwillig wird das doch nichts" – nein, das sehe ich positiver. Im Augenblick zumindest habe ich den Eindruck, dass das durchaus klappen kann. Turnierveranstalter bereits gehen mit gutem Beispiel voran, das wird seine Wirkung nicht verfehlen. Machen wir eine Selbstverständlichkeit draus, den Versuch ist es wert.
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Re: Awareness-Teams

Beitrag von Nythagoras » Mo 5. Okt 2020, 22:52

Ich finde es gut und wertvoll, dass dieses Thema auf diese Weise auf den Tisch kommt. Deswegen vielen Dank für den mutigen, offenen Beitrag!

Es wurde hier schon mehrfach erklärt, dass solche Übergriffe nicht toleriert werden dürfen und aktiv degegen vorgegangen werden muss. Dem möchte ich mich anschließen.

Darüber hinaus sehe ich bei Deinem Beitrag einen ganz besonderen Wert in der Konkretheit der beschriebenen Ereignisse. Einerseits die Beschreibung der von außen sichtbaren Situation und andererseits die Schilderung, wie Du sie erlebt hast und die Kennzeichnung als Belästigung oder Übergriff, stellen eine wichtige Verknüpfung dar.

Diese Verknüpfung erscheint mir so wichtig, weil ich bei manchen der beschriebenen Situationen vermute, dass bei den Handelnden keine böse Absicht vorhanden war, sondern ein eklatanter Mangel an Auseinandersetzung mit diesem Thema und an Bewusstsein dafür. Ich vermute, dass dort gelerntes, abgegucktes Verhalten unreflektiert reproduziert wird ohne das Bewusstsein, eine andere Person dadurch zu schädigen.
Und damit will ich solches Verhalten überhaupt nicht entschuldigen oder relativieren; im Gegenteil sehe ich die Verantwortung tatsächlich bei den Leuten, sich selbstständig mit dem Thema auseinander zu setzen - denn Hinweise auf die Relevanz gibt es überall.
Ich sehe hier vielmehr einen effektiven Ansatzpunkt, wie man vielleicht die Häufigkeit von Übergriffen reduzieren kann: nämlich indem man ganz konkret solche Beispiele benennt und klar macht, dass es sich dabei um nicht tolerierbare Übergriffe handelt. Wem deutlich gemacht wurde, dass die Hand, die vermeintlich kumpelhaft auf dem Bein liegt und langsam hoch wandert eben kein romantisches sich-Näherkommen ist, sondern ohne eine explizite Erlaubnis besitzergreifend und sexuell übergriffig ist, erinnert sich hoffentlich in einer entsprechenden Situation daran. Wem allerdings "Belästigung" nur abstrakt bekannt ist, verhält sich womöglich übergriffig und behauptet am nächsten Tag reinen Gewissens, sowas gäbe es im Jugger doch gar nicht.

Vor diesem Hintergrund finde ich Deinen Beitrag besonders gut! Ich glaube, durch die konkreten Beispiele im Jugger-Kontext wird auch für nicht vorgebildete Menschen sehr begreifbar, wo sexuelle Übergriffigkeit anfängt und wo "cool sein" oder "war doch nur Spaß" schon längst vorbei sind.
Ich fände es sinnvoll, wenn alle Jugger-Gruppen sich mit den beschriebenen Situationen auseinandersetzen würden, z.B. auf einem Teamtreffen oder spätestens auf der Fahrt zum Turnier, sodass sich das Bewusstsein für das Thema in der ganzen Basis verbreitet und nicht nur bei denen, die hier das Forum lesen.

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Re: Awareness-Teams

Beitrag von ravic » Mi 7. Okt 2020, 23:24

danke für deine offenenheit
traurig das zu lesen und traurig das wir awareness teams nötig haben aber sexsismus und übergriffiges verhalten war und ist im jugger schon immer ein problem gewesen. Es liegt an jedem selbst das zu ändern und sein verhalten zu hinterfragen, zu reflektieren und zu kommunizieren (wenn du dir nicht sicher bist ob dein verhalten angebracht ist frag VORHER! ). ein label wie bunter haufen oder n cooler sport als hobby macht aus uns als community keinen weniger übergriffigen und/oder sexsistischen haufen und aus dir keinen besseren menschen wenn du eigentlich ein sexsistischer kackspaten bist. du bist dann einfach nur ein sexsistischer kackspaten mit nem label und nem coolem hobby.
wenn ich gross bin kauf ich rigor.... ....und verschenks an heidelberg

(\_/)
(O.o)
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