[Erfahrungsbericht] Kopf und Hand als Trefferzonen

Diskussionen um das Regelwerk
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Famondir
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[Erfahrungsbericht] Kopf und Hand als Trefferzonen

Beitrag von Famondir » Mi 13. Jun 2018, 11:34

Hallo alle miteinander,

ich war gestern beim Chabara/Spochan-Training zu Besuch. Das ist eine japanische Kampfsportart. Man duelliert sich bis zum ersten Treffer mit gepolsterten Schwertern und anderem Gerät. Die Turnierversion der "Pompfen" hat bis auf den Griff keinen Kernstab mehr, sondern wir einfach aufgepumpt. Die Trainingsgeräte haben aber auch einen Kernstab.

Ein Grund hierfür war daher, dass ich mal deren Duellgeräte begutachten wollte. Leider haben sie nicht meinen Erwartungen entsprochen, die aber zugegebener Maßen recht hoch waren. Immerhin habe ich gehofft, noch einmal spürbar leichtere Ausführungen durch die Ballonkonstruktion vorzufinden. Aber der Griff alleine ist schon zu schwer. Aber immerhin sind die gut austariert.

Mir geht es hier aber um ein anderes Thema und zwar unsere Trefferzonen. Beim Chabara ist freilich alles Trefferzone. Denn ein Treffer auf Hände und Kopf wäre mit einer Waffe ja auch effektiv. Das ist wohl dem Kampfsportaspekt und der Historie Japans geschuldet.

Handschuhe werden nicht getragen, auf Hände aber aktiv gezielt. Es gibt also keine Furcht vor dem Hammer und Amboss-Prinzip. Man zieht seine Hände aber eben auch aktiv weg, um sich nicht treffen zu lassen. Für den Kopf gibt es einen leichten Schutz, wobei das wichtigste wohl das Plexiglasvisir ist, dass vor Stichen (v. a. im Augenbereich) schützt. Ansonsten wir der Kopf natürlich durch Blöcke oder Ausweichen geschützt.

Das scheint dort alles recht problemlos zu funktionieren und auch Kämpfe mit mehreren Teilnehmern gleichzeitig sind Teil des Programms.

Ihr ahnt vermutlich schon, worauf ich hinaus möchte. Hat sich die Unklarheit, ob etwas noch Hand oder Arm war ein wenig gelegt, so ist doch im gleichen Zeitraum, der berüchtigte Term Kopfblock aufgekommen. Ich möchte die Frage in den Raum stellen, ob es beim Juggern mit Kopfschutz unter sicherheitstechnischen Aspekten vertretbar wäre, den Kopf zur Trefferzone zu erklären (zumindest im Turnierbereich. Dass es für unterschiedliche Altersklassen/Bereiche unterschiedliche Regelwerke gibt, wie z. B. beim Hockey, wäre kein Novum). Die meisten Pompfen sind mittlerweile sehr leicht, so dass die Wucht immer weiter zurück geht.

Die Ausweitung der Trefferzone könnte zu mehr Klarheit führen, würde aber auch eine Anpassung der Spielstile erfordern. Mit dem Kopf durch die Wand wäre dann keine praktikable Vorgehensweise mehr.
Bild

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Re: [Erfahrungsbericht] Kopf und Hand als Trefferzonen

Beitrag von Noir » Mi 13. Jun 2018, 13:08

Die Idee finde ich nicht gut. Zur zeit haben zwar Regeln was Polsterlängen und -dicken angeht, aber keine was das Material und das Gewicht angeht.

Ich könnte dir auf Anhieb 10 Leute nennen von denen ich, und ich halte mich für einen robusten Spieler, der "harte und klare Treffer bevorzugt, nicht am Kopf getroffen werden möchte. Entweder spielen sie wirklich mit viel Kraft, schweren Pompfen oder beides zusammen.

Zumal wir uns dann auch wieder Gedanken um Hartplastikschoner machen müssten.
Ich sag nur:"Skull - Prost!"

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Re: [Erfahrungsbericht] Kopf und Hand als Trefferzonen

Beitrag von Famondir » Mi 13. Jun 2018, 13:35

Danke für deinen Beitrag, Martin. Dabei, dass man nicht von jedem mit seiner bisherigen Spielweise am Kopf getroffen werden mag, kann ich dir zustimmen. Da kenne ich auch Leute. Aber die wissen das von sich hoffentlich auch und würden dann nicht in gewohnter Weise Richtung Kopf schlagen? :?

Bezüglich der Hartplastikschoner möchte ich folgendes zum Bild ergänzen. Nur der Gesichtsschutz ist hart. Und ich glaube nicht, dass jemand anfängt, einen Kopf als Rammbock einzusetzen, weil er jetzt ein Visier hat. Vor allem nicht, da es ja dann auch Trefferzone wäre. Oder doch? :keule:

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Re: [Erfahrungsbericht] Kopf und Hand als Trefferzonen

Beitrag von Max V. » Mi 13. Jun 2018, 20:12

Ich bin entschieden dagegen den Kopf als Trefferzone zuzulassen. Wie schon gesagt haben ist die Wucht das Hauptproblem. Und dann sind wir beim Thema Gehirnerschütterung. Es geht nicht um einmalige sondern häufiger Belastung, die zu schweren kognitiven Problemen führen.
Das ist im Hockey und Football ein riesen Problem, bitte nicht auch in der Jugger Zukunft.
"[...] und präsentierte sich ihm mit einem Blick über die Schulter, den man wohl als schalkhaft erwartungsvoll bezeichnen musste."

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Re: [Erfahrungsbericht] Kopf und Hand als Trefferzonen

Beitrag von Noir » Mi 13. Jun 2018, 21:04

Famondir hat geschrieben:
Mi 13. Jun 2018, 13:35
Aber die wissen das von sich hoffentlich auch und würden dann nicht in gewohnter Weise Richtung Kopf schlagen? :?
In einem Spiel unter Adrenalin würde ich das nicht jedem zutrauen...

Ansonsten kennen wir ja auch unsere Spezialisten, die die Grenzen des Erlaubten gerne mal austesten und in Richtung Kopf sehe ich das auch sehr kritisch, also +1 für Max

Es muss auch bedacht werden, dass wir eine sehr bunte Vielfalt an Spielerinnen und Spielern vieler Altersstufen, unterschiedler Kondition und Koordinationsfähigkeiten haben ---> einfach zu riskant!
Ich sag nur:"Skull - Prost!"

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Re: [Erfahrungsbericht] Kopf und Hand als Trefferzonen

Beitrag von {Peter} » Mi 13. Jun 2018, 22:42

Also ich habe im Rahmen meiner EWTO Erfahrung in solchen Helmen trainiert...
Da wird dir echt heiß drunter... und da ist man recht statisch unterwegs und ich nehme an in dieser Kampfkunst auch (?).
Was man nicht vergessen sollte ist, dass Jugger ein Laufsport ist...
Ich zweifel, dass das gut zusammen passt (Sicht, Sauerstoff, Wärme)...
Grün ist das neue Rot.
Mörtel wird das neue Grün.

Was ist eigentlich die Russell Klasse ?

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Re: [Erfahrungsbericht] Kopf und Hand als Trefferzonen

Beitrag von Famondir » Do 14. Jun 2018, 07:52

Danke Peter für deine Anmerkung. Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Ich wollte das die nächsten Wochen einmal in einem Selbsttest eruieren. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass es da starke Einschnitte gibt. Ich glaube, die Ohren sind nicht frei, so dass das Gehör eingeschränkt ist. Mal sehen, ob die Abwärme, das ganze Visier vernebelt. Im Gegenzug schützt er aber vielleicht gegen Sonnenbrand auf dem Kopf. Da bin ich aber der falsche um das auszuprobieren.

Vielleicht fehlt uns einfach die Disziplin einer asiatischen Kampfsportschule. Das kann gut sein, Martin. Gegen Spezialisten ein wasserdichtes Regelwerk zu stricken, ist wirklich echt schwer.

Und beim Boxen ist es auch ein Problem, Max. Da geht es ja auch recht wuchtig zu. Ich erkundige mich mal, ob es da beim Chanbara schon Erfahrungen gibt.

Ich will die nächsten Wochen mal ausprobieren, wie es ist, meinen Trainingspartnern Schläge zum Kopf zu erlauben. Ob die das überhaupt Realisieren oder weiter im alten Muster spielen und ob ich wirklich öfter am Kopf getroffen werde, möchte ich gerne für mich ausprobieren. Letzteres kann ich mir gut vorstellen, aber ich spiele auch jetzt schon immer sehr vorsichtig was meinen Kopf angeht.

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Re: [Erfahrungsbericht] Kopf und Hand als Trefferzonen

Beitrag von Rollin' Uhu » Do 14. Jun 2018, 09:49

...?
... ... ...?

Erm. Wenn, dann macht sowas bitte in einer entsprechenden Liga. Sowas wie das Endzeit-Jugger in Tschechien. Allein der Gedanken, das im allgemeinen Jugger zu haben, zumal ohne jede Notwendigkeit und zu erwartenden Gewinn für den Sport, lässt mich vom Ast fallen.
Ganz zu schweigen von dem Rattenschwanz an Norm-, Vorschrifts- und Sicherheitsregularien, die Leute sich ausdenken, fordern und durchzusetzen versuchen würden. Der siebte Himmel für Juggerbürokraten (als hätten wir nicht schon genug davon, ich sag nur Rückennummern in Times New Roman 80 pt 0 0 0 0). Und Versicherungen.

Thema Disziplin: Da hätte ich manchmal schon jetzt gern mehr davon bei ganz gewöhnlichen Trainingsspielen. Jugger und eine regelmäßig nach strikten Regularien trainierende, Selbstkontrolle über Jahre übende Kampfkunstschule sind (gottlob) zwei Welten ...

Sorry aus dem Exil, Cofalke, aber ich halte das in der Breite für eine ganz, ganz schlechte Idee.
Der Uhu im Popcornmodus, ohne Moderatorenschnickschnack. Oder wenn ihm der Kragen platzt.

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Re: [Erfahrungsbericht] Kopf und Hand als Trefferzonen

Beitrag von Siggi » Do 14. Jun 2018, 11:18

Ich bin da wirklich hin und her gerissen.
Auch ich denke daß die leichten Pompfen in den meisten Fällen kein Risiko darstellen. In vielen Sportarten mit Körperkontakt kriegt man bestimmt öfter und härter was an den Kopf. Ich zum Beispiel fand Handbälle in der Fresse schon immer Scheisse - Ellbogen stören mich seltener.
Auf der anderen Seite: wenn Kopf Trefferzone ist haue ich da auch hin. So gut kenne ich mich; und ich denke ich gehöre zu den Leuten von denen Martin keine Kopfnuss kriegen will.
Der Impact ist trotzdem nicht vergleichbar mit dem, was bei einem Footballtackle passiert. Gehirnerschütterungen oder Schlimmeres würden sehr selten vorkommen. Öfter mal Nasenbluten ermute ich.
Schläge auf den Kopf erfordern jedoch vom "Empfänger" ein gewisses Maß an Eigendisziplin und Schulung. Das ist bei entsprechenden Sportarten (Kendo, Escrima/Arnis oder ähnliches) Teil des Trainings. Du weisst was kommt und lernst damit zu arbeiten. Bei der breiten Palette an Juggerspielern kann ich nicht von einer entsprechenden Schuung ausgehen.
In der Summe sprechen diese Faktoren gegen Kopf als Trefferzone.

Zu den Helmen: jede Art von Kopfschutz schränkt deine Wahrnehmung ein. In einer Eins-zu-Eins Situation kann ich damit arbeiten, in einem Feldsport wirds kritisch. Mir fällt da nur Eishockey ein. Das sind relativ leichte Helme. (Football finde ich aufgrund der statischen Startposition und des schnellen Stops nach einem Tackle nicht vergleichbar.)
Achtung: Kommentare können Spuren von Satire & Ironie enthalten. Zynismus nicht ausgeschlossen.

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Re: [Erfahrungsbericht] Kopf und Hand als Trefferzonen

Beitrag von Siggi » Do 14. Jun 2018, 11:20

Ach so: Hände wiederum fände ich richtig gut. Die meisten Leute haben entsprechende Handschuhe an.
Achtung: Kommentare können Spuren von Satire & Ironie enthalten. Zynismus nicht ausgeschlossen.

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